Ärzte Zeitung, 24.01.2007

Tonsillitis und Drüsenfieber leicht unterscheidbar

Quotient aus Lymphozytenzahl und Leukozyten-Gesamtzahl vereinfacht die Differenzial-Diagnose

LONDON (ner). Um eine Tonsillitis von einer infektiösen Mononukleose unterscheiden zu können, genügt es, das Verhältnis von Lymphozyten- zu Leukozyten-Gesamtzahl zu bestimmen. Das haben britische HNO-Ärzte herausgefunden. Bei einem Verhältnis über 0,35 liege mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Mononukleose vor.

Die virale Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) ist klinisch oft schwer von der bakteriellen Tonsillitis zu unterscheiden. Beide gehen mit Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden einher. Eine simple Rechnung mit Hilfe des Differenzialblutbildes könne weiterhelfen, bevor eine aufwändige Diagnostik eingeleitet werde, meinen Dr. Dennis M. Wolf vom St. George’s Hospital in London und seine Kollegen.

Beträgt das Verhältnis von Lymphozyten- zur Leukozyten-Gesamtzahl mehr als 0,35, dann ist "Pfeiffer-Drüsenfieber" mit 90-prozentiger Sensitivität und 100-prozentiger Spezifität die richtige Diagnose. Das bedeutet: Bei diesem Quotienten werden 90 Prozent der Mononukleose-Patienten erkannt. Bei einer Ratio von unter 0,20 ist die Mononukleose nahezu hundertprozentig ausgeschlossen (Arch Otolaryngol Head Neck Surg 133, 2007, 61).

Wolf und seine Kollegen folgern das aus den Ergebnissen einer retrospektiven Studie. An der Studie hatten 120 Mononukleose- und 100 Tonsillitis-Patienten teilgenommen. Die Mononukleose-Patienten hatten mit durchschnittlich 11400 / µl signifikant weniger weiße Blutkörperchen im Blutbild als die Patienten mit Tonsillitis (16 500/µl). Dagegen war die Lymphozytenzahl bei den Mononukleose-Patienten signifikant größer (6500 versus 1600/µl). Daraus errechneten die Ärzte für die Mononukleose-Patienten einen mittleren Quotienten von 0,54 und für die Patienten mit Tonsillitis ein Verhältnis von 0,1. Kein Tonsillitis-Patient hatte eine Ratio über 0,35.

Damit eigne sich der Test als Screening-Methode zur Differenzialdiagnostik, meinen die britischen HNO-Ärzte. Das sei angesichts zwar seltener, aber lebensbedrohlicher Komplikationen der Mononukleose - zum Beispiel Milzrupturen oder abdominale Hämorrhagien  - bedeutsam.

STICHWORT

Mononukleose

Die infektiöse Mononukleose wird durch Epstein-Barr-Viren ausgelöst. Vor allem ältere Kinder und junge Erwachsene erkranken an den Folgen der Infektion. Die Viren werden meist durch Speichel übertragen. Ohne Komplikationen ist die Prognose gut. Vor allem bei Patienten mit zellulärem Immundefekt und bei Patienten nach einer Transplantation kann es zu einem schweren Verlauf kommen. (eb)

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