Direkt zum Inhaltsbereich

Hautinfekte in der Sportlertruppe? - Das können MRSA sein!

WIESBADEN (awa). Auch in Deutschland muss mit Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA) außerhalb von Kliniken gerechnet werden. Die Keime hatten sich in den vergangenen Jahren vor allem in den USA regional ausgebreitet. Oft völlig gesunde Menschen infizieren sich ambulant und erkranken teilweise schwer an Haut- und Weichteil-Infektionen oder auch an nekrotisierenden Pneumonien.

Veröffentlicht:

Die Erreger werden community-acquired MRSA (cMRSA) genannt und treten bei eher jüngeren, sonst gesunden Menschen auf - wie zum Beispiel bei Mannschaftssportlern, Kindergartenkindern, Soldaten und Gefängnisinsassen. Darauf hat Dr. Béatrice Grabein vom Pettenkofer-Institut in München hingewiesen. Die neuen Keime unterscheiden sich dadurch von hospital-acquired MRSA (hMRSA), die bevorzugt ältere und schwer kranke Patienten bei langen Klinikaufenthalten befallen.

Das Erkrankungsspektrum ist bei beiden Erregerformen ähnlich: Haut- und Weichteil-Infektionen, Pneumonie und Sepsis. Allerdings verlaufen cMRSA-Infektionen eher nekrotisierend, sagte Grabein auf einer Veranstaltung von Abbott in Wiesbaden. Nach ihren Angaben sind die Keime in Deutschland selten. Eine mikrobielle Diagnostik auf cMRSA sei aber sinnvoll,

  • wenn sich Haut- und Weichteil-Infektionen in Familien häufen,
  • wenn die Infekte rezidivieren etwa bei sonst gesunden Menschen ohne vorherigen Klinikaufenthalt, oder in Gruppen wie bei Kindern, Feuerwehrleuten und Sportlern sowie
  • bei nekrotisierender ambulant erworbener Pneumonie.

"Die hMRSA zeichnen sich durch Multiresistenz, cMRSA dagegen durch Virulenz aus", sagte Grabein. Der durch Phagen übertragene Virulenzfaktor PVL-Toxin (Panton-Valentin-Leukozidin) führe zu Gewebsnekrosen und zur Destruktion von Leukozyten. Bis in die 70er Jahre sei das Toxin nur bei Methicillin-sensiblen Erregern von Haut- und Weichteilinfektionen verbreitet gewesen. cMRSA sind gegen Betalaktam-Antibiotika resistent und gegen Fusidinsäure nur eingeschränkt empfindlich.

Mitte der 90er Jahre wurden die cMRSA das erste Mal bei Minderheiten in den USA und Australien nachgewiesen. Nach mehreren kleineren Ausbrüchen haben sich die Keime in einigen US-Regionen stark verbreitet und verursachen dort mittlerweile 60 bis 70 Prozent aller ambulant erworbenen Haut- und Weichteilinfektionen mit Staph. aureus. Inzwischen seien auch multiresistente, virulente cMRSA isoliert worden, so Grabein. Sie seien durch eine Mischung von cMRSA und hMRSA entstanden.

Auch in Frankreich, Deutschland und der Schweiz gibt es cMRSA. In Deutschland erkrankten 2003/2004 in Südostbayern binnen acht Monaten 117 Menschen an cMRSA-Infektionen. Mittlerweile seien auch mehrere kleine Ausbrüche verteilt über ganz Deutschland nachgewiesen worden, so Grabein.



STICHWORT

PVL-Toxin

Das Toxin PVL (Panton-Valentin-Leukozidin) erhöht die Virulenz der Staphylokokken deutlich. Das Eiweißmolekül verursacht Löcher in der Hülle von neutrophilen Granulozyten, Makrophagen und Erythrozyten. Granulozyten werden dadurch aktiviert und Entzündungsmediatoren freigesetzt. In der Folge kommt es zur Vasodilatation und zu vermehrtem Einstrom von Leukozyten. (eb)

Mehr zum Thema

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cholesterin

Intensive LDL-Senkung bei hohem Lp(a): Warum das schwierig werden kann

Lesetipps
Ausgestreckte Hand gegenüber einer Impfspritze.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Eine Frau in den Wechseljahren leidet unter Hitzewallungen.

© Diane Diederich / Getty Images / iStock

Über eine Million Datensätze

Wie die Menopause Körperprozesse beeinflusst