Ärzte Zeitung, 08.03.2010

Im Hirn-MRT hinterlässt jedes Virus andere Spuren

Nur bei etwa der Hälfte der Patienten mit akuter Virus- Meningoenzephalitis gelingt es, den Erreger aufzuspüren. Diese Rate kann ein MRT verbessern: Manche Viren sorgen für ein typisches Muster der Entzündungsherde.

BAD HOMBURG (ner). Temporale Marklagerläsionen könnten etwa auf eine Herpes-simplex-Virusenzephalitis deuten, ein asymmetrischer Stammganglienbefall auf Arboviren, die etwa FSME oder Japanisches Enzephalitis verursachen.

Darauf hat Professor Erich Schmutzhard aus Innsbruck hingewiesen. Bei der Enterovirus-71-Enzephalitis erkenne man in der T2-Gewichtung hyperintense Läsionen im Nucleus dentatus des Zerebellums sowie im Hirnstamm, so Schmutzhard beim ANIM-Kongress in Bad Homburg. Bei progressiver multifokaler Leukozytenenzephalopathie (PML) sind multiple Marklagerläsionen zu erkennen.

Liquorbefunde sind bei akuter Meningoenzephalitis relativ typisch, aber differenzialdiagnostisch unspezifisch. Der mikrobiologische Erregernachweis gelingt bei weniger als der Hälfte der Patienten, etwa direkt mit dem Nachweis viraler DNA oder RNA per Polymerasekettenreaktion (PCR) aus nicht zentrifugiertem Liquor sowie per Antigen- oder Antikörper-Nachweis im Liquor.

Allerdings entwickeln sich intrathekale Antikörper meist erst zum Ende der ersten Erkrankungswoche. Zudem findet in der Spätphase neuroviraler Erkrankungen eine Antikörper-Produktion statt, die im klinischen Alltag gelegentlich zur Fehldiagnose einer ZNS-Infektion führt.

Schmutzhard empfahl, bei akuten und sich subakut entwickelnden ZNS-Prozessen bei folgenden Konstellationen an eine Virus-Erkrankung zu denken:

  • bei bekannten Viruserkrankungen in der Umgebung (Mumps, Varizellen, Polio),
  • bei gastrointestinalen Symptomen, da Enterovirus-Erkrankungen die häufigste Ursache einer viralen Meningoenzephalitis sind, bei vorangegangenen grippeartigen Symptomen - dies kann auf HSV hinweisen,
  • bei Insektenstich oder Tierbissen - hier richtet sich der Verdacht auf FSME und Tollwut,
  • bei einer Behandlung mit Blut oder Blutprodukten,
  • bei Immunsuppression, etwa nach Organtransplantation oder Chemotherapie.
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