Ärzte Zeitung, 17.11.2010

Gefährlichen Keimen mit Schnelltests auf der Spur

Gefährlichen Keimen mit Schnelltests auf der Spur

In nur 20 Minuten haben Ärzte mithilfe von Schnelltests Gewissheit, ob Patienten mit gefährlichen Bakterien infiziert sind.

Von Helga Brettschneider

Gefährlichen Keimen mit Schnelltests auf der Spur

Bakterienkulturen dauern lange - mit einem Schnelltest auf gefährliche Bakterien dauert es nur 20 Minuten.

© picprofi / fotolia.com

Mit modernen Labortests lassen sich heute viele Diagnosen innerhalb kurzer Zeit stellen. Schnelltests erledigen das in einer halben Stunde. Einige Tests sind auch bei Hausärzten möglich.

So lassen viele Arztpraxen heute die erforderlichen Laborproben von Fremdlaboren untersuchen. Denn die liegen meist in vertretbarer Entfernung für die Anlieferung des Testmaterials. Wichtige Ergebnisse sind schnell verfügbar, wie Professor Guntram Lock vom Albertinen-Krankenhaus in Hamburg aus Anlass der Medica in Düsseldorf sagte.

Für einen Landarzt, der fernab von einem Krankenhaus und dem nächsten Labor schnelle Entscheidungen treffen muss, kann es allerdings in einigen Regionen anders aussehen. In einem hausärztlichen Notfalllabor sollte auch ein Blutbild möglich sein. Dazu gehört etwa die Bestimmung von Hämoglobin und Leukozyten, aber auch der Blutzuckerwerte.

Wo oft Notfallpatienten behandelt werden, könne die Bestimmung des Troponins sinnvoll sein, so Lock: Das Eiweiß Troponin wird speziell bei einem Herzinfarkt von den untergehenden Herzmuskelzellen freigesetzt und lässt früh erkennen, ob ein Patient tatsächlich einen Herzinfarkt hat.

Zählt der Patientenstamm eines Arztes sehr viele alte Menschen, die ja häufig an Durchfällen und Austrocknung leiden, können Elektrolyte und Nierenwerte wichtig werden.

Schnelltests lieferten in 20 bis 30 Minuten ein Ergebnis, so Dr. Thomas Fenner vom Labor Fenner & Partner in Hamburg. Sie weisen Infektionserreger nach, etwa von Malaria, oder identifizieren Bakterien im Rachenabstrich eines an Scharlach erkrankten Kindes.

Der Vorteil solcher Turbotests liegt auf der Hand: je schneller die Diagnose, desto früher die Therapie. Das kann schon mal lebensrettend sein. In Kliniken kann eine schnelle Diagnose zudem helfen, Patienten mit potenziell gefährlichen Infektionserkrankungen rechtzeitig zu isolieren - bevor die eingeschleppten Keime sich in der Klinik ausbreiten.

Ein Beispiel solcher Bakterien sind die MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus). Das Problem: Die kleinen Staphylokokken sind gegen viele Antibiotika resistent. Die Folgen können von Hautinfektionen bis zum Tod reichen. Häufig ist der Keim zum Beispiel bei Patienten aus Altersheimen.

Seit kurzem steht ein MRSA-Schnelltest zur Verfügung. Das 30 000-Euro-Gerät schafft zwei Tests in 75 Minuten - eine sinnvolle Sache für Kliniken mit eigenem Labor: Der Arzt kann direkt entscheiden, ob ein Patient infiziert ist und ob er isoliert werden muss, bis die Antibiose anschlägt.

Ebenso schnell ist jetzt auch der Nachweis möglich, ob ein von heftigem Durchfall geplagter Patient mit Noroviren infiziert ist und zunächst isoliert werden sollte. Den Test gibt es seit etwa einem Jahr; die Preisklasse entspricht dem MRSA-Test. Dafür sind die Personalkosten niedrig, weil der Testansatz nur etwa fünf Minuten braucht.

Was Schnelltests allerdings nicht leisten könnten, so Fenner, sei zum Beispiel die Bestimmung, gegen welche Antibiotika ein Bakterium resistent ist. Denn dafür muss geprüft werden, wie gut oder schlecht es sich auf Nährböden mit verschiedenen Antibiotika vermehrt. Und das dauert ein paar Tage.

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