Ärzte Zeitung, 19.05.2012

Pneumonie: Höhere Mortalität im Pflegeheim

Bewohner eines Pflegeheims, die an einer Pneumonie erkranken, haben eine bis zu viermal höhere Mortalität als Patienten, die noch Zuhause wohnen. Dies liegt nicht am unterschiedlichen Keimspektrum.

Pneumonie: Höhere Mortalität im Pflegeheim

Pneumonie: Sterberisiko im Heim höher.

© photos.com PLUS

BERLIN (gvg). Das hat eine Studie des deutschen Kompetenznetzwerks zur ambulant erworbenen Pneumonie (CAPNETZ) ergeben.

In dieser Studie, an der zehn Zentren und 670 Praxen beteiligt waren, wurden prospektiv die Daten von 2569 Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie (community-acquired pneumonia, CAP) und von 518 Patienten mit im Pflegeheim erworbener Pneumonie (nursing home-acquired pneumonia, NHAP) verglichen.

Ausgewertet wurden einerseits der Krankheitsverlauf, andererseits die Schwere der Erkrankung, Begleitfaktoren und mikrobiologische Befunde. Hauptergebnis: Nach 30 Tagen lag die Sterberate in der CAP-Gruppe bei 7 Prozent und in der NHAP-Gruppe bei 27 Prozent.

Und nach 180 Tagen waren in der CAP-Gruppe 15 Prozent und in der NHAP-Gruppe 44 Prozent der Patienten gestorben.

Der Grund für diesen deutlichen Unterschied sei darin zu suchen, dass die Heimbewohner insgesamt schwerer erkrankt waren, betonte Professor Martin Kohlhäufl von der Klinik Schillerhöhe der Universität Tübingen.

Betalaktam-Antibiotika reichen oft aus

Die Patienten mit NHAP hatten in der CAPNETZ-Studie einen etwa dreimal höheren Pneumonieschweregrad, gemessen mit der Standardskala CRB-65.

Mit im Durchschnitt 83 Jahren waren sie auch sieben Jahre älter als die CAP-Patienten, und der Anteil von Patienten mit kardiovaskulären neurologischen Begleitkrankheiten war signifikant höher.

Vor diesem Hintergrund sind die Unterschiede bei der Sterberate nicht überraschend. Die wichtigste Botschaft von CAPNETZ ist deswegen auch eine ganz andere: "Es gab zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied im Keimspektrum, und der Anteil potenziell multiresistenter Keime wie Enterobacteriacae, Pseudomonas oder Staphylococcus aureus war in beiden Gruppen sehr gering", so Kohlhäufl.

Für die Therapie bedeutet das: Es ist nicht nötig, bei Patienten mit Pneumonie nur deshalb ein Breitspektrumantibiotikum zu verordnen, weil sie in einem Pflegeheim untergebracht sind.

Betalaktam-Antibiotika, die den Haupterreger Pneumokokken abdecken, reichen für die kalkulierte Antibiose meist aus. Liegt die Mikrobiologie vor, wird dann gezielt behandelt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »