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Angeborene Lymphozyten

Rausschmeißer und flexible Retter in der Not

Während Mangelperioden und unter Parasitenbefall schalten Immunzellen vom Zucker- auf den Fettstoffwechsel um. So funktionieren Immunzellen auch in Krisenzeiten. Doch wie bekämpfen diese Fremdkörper?

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Die Immunabwehr ist äußerst komplex. Erst vor wenigen Jahren haben Forscher Innate Lymphoid Cells (ILCs) entdeckt.

Die Immunabwehr ist äußerst komplex. Erst vor wenigen Jahren haben Forscher Innate Lymphoid Cells (ILCs) entdeckt.

© ag visuell/Fotolia.com

BONN. Mangelernährung schwächt den Organismus. Trotzdem schaffen es bestimmte Immunzellen auch in Hungerzeiten, sich bestimmter Parasiten zu entledigen. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Bonner Uniklinikums hat nun herausgefunden, mit welcher Strategie diese Immunzellen das Überleben sichern (The Journal of Experimental Medicine 2016; online 18. Juli).

Während Mangelperioden und unter Parasitenbefall schalten die Zellen vom Zucker- auf den Fettstoffwechsel um. Möglicherweise lassen sich mit diesen Erkenntnissen auch chronische Darmentzündungen durch Überernährung erklären, teilt die Bonner Universitätsklinik mit.

Während der Evolution des Menschen gehörten Hungerperioden und Parasiten zum alltäglichen Schicksal. In Entwicklungsländern leiden heute noch viele Menschen unter Mangelernährung und Wurmbefall im Darm.

"Das Immunsystem hat sich angepasst, mit dieser lebensbedrohlichen Lage fertig zu werden", wird Professor Christoph Wilhelm vom Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie der Uniklinik Bonn in der Mitteilung zitiert.

Eine wichtige Rolle spielen dabei lymphoide Zellen des angeborenen Immunsystems (englisch: Innate Lymphoid Cells), die erst vor wenigen Jahren entdeckt wurden.

Erst kürzlich entdeckt: Angeborene Lymphozyten

Bei diesen angeborenen Lymphozyten handelt es sich um wichtige Abwehrzellen, die etwa auf der Haut, in der Lunge oder im Darm eine wichtige Barrierefunktion gegen Krankheitserreger übernehmen. "Im Gegensatz zu B- und T-Lymphozyten weisen sie jedoch keine antigenerkennenden Rezeptoren auf ihrer Zelloberfläche auf", so Wilhelm.

Haben sich im Darm Parasiten eingenistet, sorgen die Innate Lymphoid Cells für die Reparatur geschädigten Gewebes und befördern die unerwünschten Gäste wieder aus dem Darm heraus. Bislang war unklar, wie sie bei dieser wichtigen Aufgabe durch den Stoffwechsel unterstützt werden.

Wilhelm hat nun mit einem Team aus US-Forschern um die Parasitologin Professor Yasmine Belkaid von den National Institutes of Health in Bethesda (USA) herausgefunden, dass diese "Rauswerfer" sehr flexibel auf unterschiedliche Stoffwechselressourcen zurückgreifen.

"Rauswerfer" sind flexibel

An Mäusen wiesen die Wissenschaftler nach, dass diese Abwehrzellen sowohl mit Unterstützung des Zucker- als auch des Fettsäurestoffwechsels überleben können. Waren die Mäuse dagegen mit parasitären Peitschenwürmern im Darm befallen, speisten sich die angeborenen lymphoiden Zellen verstärkt aus dem Fettsäurestoffwechsel, um ihren Aufgaben nachzukommen.

Das Gleiche war der Fall, wenn die Mäuse einer Vitamin-A-Mangelernährung ausgesetzt waren, so die Uniklinik Bonn. Bei einer Unterversorgung mit Nährstoffen ist meist auch Zucker nur schlecht verfügbar, weshalb alternativ auf Fettreserven umgeschaltet wird.

"Durch dieses flexible Vorgehen und die Anpassung an den Fettsäurestoffwechsel schafft es das Immunsystem, auch bei geringer Nahrungszufuhr und bei einem Angriff durch Parasiten seine überlebenswichtige Funktion aufrecht zu erhalten." Trotz der insgesamt widrigen Verhältnisse entledigt sich der Organismus der gefährlichen Würmer und repariert Schäden am Darmgewebe.

Strategie wichtig für das Überleben der Menschheit

Diese Strategie der lymphoiden Zellen des Angeborenen Immunsystems erklärt, warum viele Menschen in Entwicklungsländern trotz Wurmbefalls und Vitamin-A-Mangels überleben, heißt es in der Mitteilung. Diese im Lauf der Evolution erworbene Fähigkeit hat wohl auch insgesamt die Existenz der Menschheit gesichert.

Diese Erkenntnisse führen zur Frage, welche Veränderungen das Immunsystem durchlief, seit in den Industrienationen die zuvor weit verbreitete Mangelernährung von einer Überernährung abgelöst wurde. Darüber hinaus ist in reicheren Ländern der Befall mit parasitären Würmern sehr selten geworden.

Kommt es deshalb vermehrt zum Beispiel zu Darmentzündungen, weil nun diese Stressfaktoren für das Immunsystem weitgehend fehlen? Darauf haben die Forscher noch keine Antwort. Sie wollen jedoch den Zusammenhang zwischen Ernährung, Wurmbefall und lymphoiden Zellen des angeborenen Immunsystems noch tiefgehender erforschen. (eb)

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