Ärzte Zeitung online, 22.01.2019

Studie

Deshalb ist die Zika-Diagnostik so tückisch

Bestenfalls bei jedem zweiten Zika-Patienten in Brasilien lässt sich die Infektion mit einem oft benutzten Antikörper-Test korrekt nachweisen, wie eine Studie vermuten lässt. Die Forscher warnen vor den Folgen der falschen Testergebnisse.

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Elektronenmikroskopische Aufnahme von Zika-Viruspartikeln (rot).

© cdc/Cynthia Goldsmith

BRAUNSCHWEIG / BERLIN. Millionen Menschen haben sich seit den Ausbrüchen 2013 in Lateinamerika mit Zika- und Chikungunya-Viren infiziert. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben nun eine nur geringe Sensitivität der derzeitigen Diagnostik beim Nachweis von Zika-Viren nachgewiesen und setzen auf kombinierte Testverfahren mit höherer Verlässlichkeit (Emerging Infectious Diseases 2019; 25(2):311-315).

"Falsche Testergebnisse können fatale Folgen haben", wird Studienautor Professor Jan Felix Drexler von der Charité in einer Mitteilung des DZIF zitiert. Das Zentrum berichtet, die Zunahme an illegalen Abtreibungen in Lateinamerika während des Zika-Ausbruchs habe gezeigt, welche dramatischen Folgen unsichere Diagnosen haben können.

Von sicher kann [bei der Diagnostik einer Zika-Infektion] derzeit keine Rede sein.

Professor Jan Felix Drexler, Charité – Universitätsmedizin Berlin

"Eklatante Mängel"

Daher sei besonders in den Ausbruchsgebieten wie Brasilien eine sichere Labordiagnostik dringend vonnöten. "Von sicher kann allerdings derzeit keine Rede sein", betont Drexler. "In unserer Studie vor Ort zeigen wir, dass bestenfalls bei der Hälfte der Patienten eine korrekte Antikörperdiagnostik für Zika gelingt."

An der Studie der Berliner Wissenschaftler nahmen 15 Patienten mit einer bestätigten akuten Zika-Virus-Infektion teil sowie 18 Patienten mit einer akuten Chikungunya-Virus- Infektion. In den 90 Tagen nach Studienbeginn nahmen die Forscher Blut- und Urinproben der Teilnehmer und untersuchten diese mit verschiedenen Testverfahren, die sie teilweise auch miteinander kombinierten, auf virale RNA und Antikörper.

Der frühe Nachweis einer akuten Infektion erfolge dabei über den Nachweis des viralen Erbguts und sei für beide Viren bereits eine Woche nach dem Auftreten von Symptomen mit dem Risiko von falsch-negativen Ergebnissen aufgrund niedriger Viruskonzentrationen verbunden, erinnert das Zentrum.

Bei Zika-Viren seien die Virus-Konzentrationen dabei bereits in der ersten Woche so niedrig, dass besonders sensitiv getestet werden muss. Anschließend lässt sich eine Infektion nur über die Antikörper nachweisen, wobei Impfungen oder Infektionen mit ähnlichen Viren einen genauen immunologischen Nachweis erschweren.

Bei den Tests zum Antikörpernachweis waren die Mängel eklatant, so das DZIF. "Wir konnten sehen, dass die Empfindlichkeit eines oft benutzten Tests zum Nachweis von Antikörpern, die für eine akute Zika-Infektion sprechen, nur etwa 30 Prozent beträgt", berichtet Drexler. Bei einem weiteren, seltener eingesetzten Test lag die Sensitivität bei 50 Prozent.

Kombination verschiedener Tests

Diese Empfindlichkeit konnten die Forscher steigern, indem sie als Marker Immunglobulin A (IgA) statt dem normalerweise verwendeten Immunglobulin M (IgM) einsetzten. "Wir sehen ganz klar, dass man für genaue Test-Ergebnisse bei Zika-Viren mehrere Testverfahren kombinieren muss, insbesondere in tropischen Regionen, in denen sich Menschen mit vielen miteinander verwandten Viren infizieren", folgert Drexler.

Verlässlich sei die Antikörper-Diagnostik dagegen für den Nachweis einer Infektion mit dem Chikungunya-Virus gewesen, das ja ebenfalls in Lateinamerika verbreitet ist und ähnliche Symptome verursacht wie eine Infektion mit dem Zika-Virus. Die Betroffenen könnten sich daher auf diese Diagnose verlassen.

Um die besten Testverfahren zu entwickeln, sind die Forscher aber auf Studien mit mehr Patienten angewiesen. "Auf der Grundlage der Daten aus dieser und weiteren Studien können die Pharmafirmen dann Tests für die routinemäßige Anwendung zur Verfügung stellen", so Drexler.

Es gehe nicht nur darum, Schwangeren oder Paaren mit Kinderwunsch mehr Sicherheit zu geben. Auch Vorsorgemaßnahmen des Gesundheitswesens und die weitere Forschung hingen von verlässlichen Risikoschätzungen ab. (eb/bae)

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