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Täuschkörper

Wie das Ebola-Virus das Immunsystem austrickst

Das Ebola-Virus hat einen molekularen Trick entwickelt, mit dem es das Immunsystem von Infizierten täuscht. Ganz hilflos ist das Immunsystem allerdings nicht: Es hat eine Gegenmaßnahme gegen das Ablenkungsmanöver.

Veröffentlicht:
Menschliche Zellen, die Virosomen produzieren. Hierzu wurden die Zellen so verändert, dass sie fluoreszierendes Ebola Hüllprotein produzieren. Dieses wird in die Zellmembranen eingebaut und schnürt sich in Form von Virosomen ab. Diese haben eine Größe von circa einem zehntausendstel Millimeter und wurden über hochauflösende Mikroskopie sichtbar gemacht.

Menschliche Zellen, die Virosomen produzieren. Hierzu wurden die Zellen so verändert, dass sie fluoreszierendes Ebola Hüllprotein produzieren. Dieses wird in die Zellmembranen eingebaut und schnürt sich in Form von Virosomen ab. Diese haben eine Größe von circa einem zehntausendstel Millimeter und wurden über hochauflösende Mikroskopie sichtbar gemacht.

© Universitätsklinikum Tübing

TÜBINGEN. Mit einem cleveren Täuschungsmanöver entkommt das Ebola-Virus dem Immunsystem: Es bringt infizierte Zellen dazu, „Täuschkörper“ freizusetzen. Diese führen das Immunsystem in die Irre, indem sie dessen neutralisierende Antikörper inaktivieren und von den tatsächlichen Viren abhalten, wie ein Forscherteam aus Tübingen und Göttingen berichtet (Cell Reports 2019; 26:1841–1853). Ihre Erkenntnisse könnten zur Entwicklung neuer Impfstoffe gegen hämorrhagische Fieberviren führen, so die Hoffnung der Forscher.

Ebola-Virus

  • Die Gattung Ebolavirus wird in fünf Arten unterteilt: Zaire, Sudan, Taï Forest, Bundibugyo und Reston.
  • Das Zaire-Ebolavirus hat den großen Ausbruch 2014 / 2015 in Westafrika mit mehr als 11.000 Toten verursacht.
  • Das Reston-Ebolavirus ist als einzige Art für Menschen in der Regel nicht gefährlich.

Wie das Team um den Virologen Professor Michael Schindler vom Universitätsklinikum Tübingen berichtet, bringt das Glykoprotein auf der Oberfläche des Ebola-Virus die Zielzellen dazu, kleine Vesikel freizusetzen, auf deren Oberfläche sich ebendieses Glykoprotein befindet. Diese sogenannten Virosomen binden dann Antikörper, die eigentlich gegen das Ebola-Virus gerichtet sind und behindern so die Reaktion des Immunsystems auf die Infektion.

Zudem unterdrücken die Virosomen die Freisetzung von Zytokinen und Chemokinen durch Makrophagen, die ja diese Botenstoffe freisetzen und damit die Immunabwehr des Körpers gegen Viren koordinieren.

Wie schafft der Körper trotzdem eine Immunantwort?

Warum kommt es nun aber trotzdem in den meisten Infizierten zu einer Immunantwort gegen das Ebola-Virus? Auch hierfür haben die Virologen eine Erklärung: „Das Immunsystem hat Gegenmaßnahmen gegen die Täuschkörper entwickelt“, wird Studienautor Schindler in einer Mitteilung des Universitätsklinikums zitiert. „Wir konnten zeigen, dass das zelluläre Protein Tetherin, das eine wichtige Funktion bei der angeborenen Immunabwehr hat, die Freisetzung der Virosomen verhindert.“

Neben der Bedeutung der Erkenntnisse für die Grundlagenforschung ergeben sich auch potenzielle Anwendungen aus den neu entdeckten Eigenschaften der Virosomen: „Die Virosomen tragen offensichtlich funktionell intaktes Ebola-Hüllprotein auf ihrer Oberfläche, sind aber ansonsten nicht infektiös“, fügt Professor Stefan Pöhlmann, Koautor der Studie, hinzu. „Damit sind Virosomen attraktive Kandidaten für die Entwicklung eines Impfstoffs.“

Die Forscher wollen nun in weiteren Experimenten untersuchen, ob neben dem Ebola-Virus auch andere hämorrhagische Fieber auslösende Viren Virosomen freisetzen und ob diese zur Herstellung von Impfstoffen genutzt werden können. (eb/bae)

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