Ärzte Zeitung online, 22.03.2019

Immunsystem

Variantenreiche Virusabwehr

MÜNCHEN. So vielfältig wie Virenangriffe auf den Körper sind auch dessen Verteidigungsstrategien. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Max-Planck-Instituts für Biochemie hat einen wichtigen Teil der angeborenen Virenabwehr systematisch untersucht: Interferon-stimulierte Gene, kurz ISGs (Nature Immunology 2019; online 4. März).

Professor Andreas Pichlmair vom Institut für Virologie der TUM und sein Team haben untersucht, mit welchen Proteinen ISGs interagieren, teilt die TUM mit.

Die Forscher aktivierten in Zellkulturen jeweils ein ISG und charakterisierten mittels Massenspektrometrie, mit welchen Proteinen es interagierte. Resultat der aufwendigen Untersuchung sind Informationen zu 104 ISGs und 1401 Proteinen, die mit den ISGs Verbindungen eingehen. Etwa 90 Prozent dieser Verbindungen waren bislang nicht bekannt.

„Sobald wir die die Interaktionspartner der ISGs kennen, können wir daraus ableiten, wie der Körper gegen Viren vorgeht“, wird Pichlmair in der Mitteilung zitiert. „Schon die ersten Ergebnisse zeigen, wie vielfältig diese Immunantwort ist.“

Während einige ISGs Viren direkt beeinflussen können, arbeiten andere indirekt. Beispielsweise sind unter den Interaktionspartnern Proteine aus der Zelle, die von den Viren genutzt werden, um sich zu vervielfältigen. Andere ISGs interagieren mit Proteinen, die für den Energiehaushalt der Zelle notwendig sind, heißt es in der Mitteilung.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass einige Proteine – beispielsweise das Molekül LGALS3BP – mit einer großen Zahl an ISGs interagieren. Zusätzliche Experimente hätten gezeigt, dass LGALS3BP eine bislang unbekannte Schlüsselposition bei der Koordination der antiviralen Immunantwort einnimmt.

Auch für die Entwicklung neuer Therapien sieht Pichlmair Ansatzpunkte: „Wenn wir wissen, was unser Körper tut, wenn er eine Infektion mit Viren erfolgreich bekämpft, können wir Möglichkeiten finden, diese Verteidigung bei Erkrankungen in Gang zu setzen, mit denen der Körper nicht selbst fertig wird.“ (eb)

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