Ärzte Zeitung, 12.04.2019

Hygiene am PC

Infektiöse Hardware

Kommentar von Thomas Müller

thomas.mueller

Schreiben Sie dem Autor thomas.mueller@springer.com

Der Begriff „Computervirus“ bekommt nach Untersuchungen von US-Forschern eine ganz neue Bedeutung. So lauern Schädlinge nicht nur im, sondern auch am Computer: Tastaturen und Mäuse sind in Kliniken und Arztpraxen nicht selten mit pathogenen Erregern kontaminiert, welche eher traditionelle Weisen der Infektion bevorzugen.

Und denen ist auch besser mit altertümlichen Methoden der Desinfektion beizukommen: Isopropanol und Chlorhexidin. Doch offenbar kennen sich viele Klinikmitarbeiter mit Antivirusprogrammen in der digitalen Welt besser aus als mit solchen in der analogen. Während sie Software oft penibel vor Infekten schützen, vernachlässigen sie die Reinigung der Hardware, was sich dann zu einer weit bedrohlicheren Gefahr ausweiten kann – für die Gesundheit der Mitarbeiter und der Patienten.

MRSA fanden die Forscher auf mehr als einem Viertel der untersuchten Tastaturen, auch Vancomycin-resistente Keime und C. difficile waren keine Seltenheit. Sicher, wie häufig sich Infekte über die gemeinsame Nutzung von Tastaturen verbreiten, lässt sich kaum sagen. Es dürfte sich jedoch lohnen, zumindest in kritischen Bereichen wie Intensivstationen keine Risiken einzugehen und Computer samt Zubehör innen wie außen vor Schädlingen zu schützen.

Lesen Sie dazu auch:
Unterschätzte Infektionsquellen: Fast alle Computertastaturen verkeimt

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[14.04.2019, 19:52:37]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Isopropanol und Chlorhexidin sind keine Lösung!
Vorsicht mit Isopropanol bei PC's, Bildschirmen, Computeranlagen Tablets, Smartphones, Tastaturen und Mäusen! Alkohol greift Kunststoffe, LCD-Bildschirme und Tastatur-Kontakte an.

Chlorhexidin gehört zu den oberflächenaktiven Ammoniumverbindungen mit bakterizider Wirkung. Aufgrund der guten Haftfähigkeit eignet es sich zur Haut- und Schleimhautdesinfektion. Es hat eine breite antimikrobielle Wirkung gegen grampositive und gram-negative Bakterien sowie Hautpilze und Hefen. Zu den Mikroorganismen mit großer Empfindlichkeit gegen Chlorhexidin gehören Staphylo-kokken, Streptococcus mutans, Streptococcus salivarius, Candida albicans, Escherichia coli, Selenomonas und anaerobische Propionibakterien. Es ist unwirksam gegen Bakterien- und Pilzsporen. Einige behüllte Viren sprechen auf eine Behandlung mit Chlorhexidin an.

Alkoholfreies Octenidindihydrochlorid (octenisept®) erscheint da besser geeignet zu sein. Aber veritable klinische Studien fehlen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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