Ärzte Zeitung online, 21.02.2019

Erkältung

Antibiose bei Husten? – Ein Algorithmus hilft

Akuter Husten ist meist viraler Genese und heilt spontan ab. Dennoch wird in Europa allzu oft ein Antibiotikum verschrieben. Ein Algorithmus hilft bei der Entscheidungsfindung.

MÜNCHEN. Der sogenannte Erkältungshusten wird meist durch Viren verursacht. In Europa wird dennoch oft zum Antibiotikum gegriffen – und das mit enormen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern. „In der Slowakei bekommt ein Patient mit einer Erkältung fast immer ein Antibiotikum von seinem Arzt“, sagte Dr. Peter Kardos, Internist aus Frankfurt am Main, zu den Daten einer Erhebung in 13 europäischen Ländern.

Danach war die Verschreibungsrate für ein Antibiotikum in Bratislava mit 88 Prozent am höchsten, in Barcelona mit 21 Prozent am geringsten, so Kardos beim Workshop „Antibiotic Stewardship – rationaler Einsatz von Antibiotika in der Praxis“. In Deutschland erhielt jeder dritte Patient mit Erkältung ein Antibiotikum. Auch bei den Substanzen gab es Unterschiede zwischen den Ländern. In England wurde vorwiegend Amoxicillin verordnet, die Slowakei, Italien, Polen und Ungarn zeigten einen hohen Makrolid-Anteil, in Skandinavien und den Niederlanden wiederum war der Tetracyclin-Anteil hoch. Klinisch relevant wirksam war die Antibiotikagabe jedoch nicht. Der Effekt war so gering, dass die Autoren von einem Placebo-Effekt sprechen.

Mehrere Hürden sieht Kardos bei der nicht-antibiotischen Therapie von Patienten mit akuter Bronchitis. Zwar sei der Infekt meist viral verursacht, für den konkreten Patienten nütze das aber wenig, denn dieser erwarte vom Arzt Hilfe gegen die Beschwerden. Die Sputumfarbe sei diagnostisch irrelevant, was aber dem vermeintlichen Allgemeinwissen widerspreche. Gute Biomarker seien nicht verfügbar, Tests auf CRP oder Procalcitonin meist nicht direkt in der Praxis vorhanden, dabei bräuchte der Arzt die Ergebnisse für eine kommunikative Überzeugungsarbeit am Patienten sofort. „Außerdem gibt es Druck für ein Antibiotikum von fehlinformierten Patienten“, so Kardos bei der von Bionorica SE unterstützten Veranstaltung.

Ein Problem sieht der Internist auch darin, dass die Kassen Antibiotika bezahlen würden, viele andere Maßnahmen wie Phytotherapeutika aber nicht. Dass es wirksame pflanzliche Arzneimittel gibt, schilderte Kardos am Beispiel eines Thymian-Efeu-Präparates (Bronchipret®). In einer Studie waren die Hustensymptome bei Patienten mit akuter Bronchitis zwei Tage schneller um die Hälfte reduziert als in der Placebo-Gruppe.

Um niedergelassenen Kollegen eine Hilfestellung bei Patienten mit akuter Bronchitis oder akuter Rhinosinusitis zu geben, hat Kardos einen praxisnahen Algorithmus mit erarbeitet. Indikationstypische „Red Flags“ sind aufgeführt, eine Tabelle erleichtert die Beurteilung von CRP- und Procalcitonin-Test. Leitliniengerechte Antibiotika für beide Indikationen sind aufgelistet, falls eine Antibiose indiziert ist. (hub)

Download des Therapie-Algorithmus auf: www.aerztezeitung.de/917409

Weitere Beiträge zur Serie:
"Phytotherapie - Evidenz basiert?"

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