Direkt zum Inhaltsbereich

Erkältung

Antibiose bei Husten? – Ein Algorithmus hilft

Akuter Husten ist meist viraler Genese und heilt spontan ab. Dennoch wird in Europa allzu oft ein Antibiotikum verschrieben. Ein Algorithmus hilft bei der Entscheidungsfindung.

Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Der sogenannte Erkältungshusten wird meist durch Viren verursacht. In Europa wird dennoch oft zum Antibiotikum gegriffen – und das mit enormen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern. „In der Slowakei bekommt ein Patient mit einer Erkältung fast immer ein Antibiotikum von seinem Arzt“, sagte Dr. Peter Kardos, Internist aus Frankfurt am Main, zu den Daten einer Erhebung in 13 europäischen Ländern.

Danach war die Verschreibungsrate für ein Antibiotikum in Bratislava mit 88 Prozent am höchsten, in Barcelona mit 21 Prozent am geringsten, so Kardos beim Workshop „Antibiotic Stewardship – rationaler Einsatz von Antibiotika in der Praxis“. In Deutschland erhielt jeder dritte Patient mit Erkältung ein Antibiotikum. Auch bei den Substanzen gab es Unterschiede zwischen den Ländern. In England wurde vorwiegend Amoxicillin verordnet, die Slowakei, Italien, Polen und Ungarn zeigten einen hohen Makrolid-Anteil, in Skandinavien und den Niederlanden wiederum war der Tetracyclin-Anteil hoch. Klinisch relevant wirksam war die Antibiotikagabe jedoch nicht. Der Effekt war so gering, dass die Autoren von einem Placebo-Effekt sprechen.

Mehrere Hürden sieht Kardos bei der nicht-antibiotischen Therapie von Patienten mit akuter Bronchitis. Zwar sei der Infekt meist viral verursacht, für den konkreten Patienten nütze das aber wenig, denn dieser erwarte vom Arzt Hilfe gegen die Beschwerden. Die Sputumfarbe sei diagnostisch irrelevant, was aber dem vermeintlichen Allgemeinwissen widerspreche. Gute Biomarker seien nicht verfügbar, Tests auf CRP oder Procalcitonin meist nicht direkt in der Praxis vorhanden, dabei bräuchte der Arzt die Ergebnisse für eine kommunikative Überzeugungsarbeit am Patienten sofort. „Außerdem gibt es Druck für ein Antibiotikum von fehlinformierten Patienten“, so Kardos bei der von Bionorica SE unterstützten Veranstaltung.

Ein Problem sieht der Internist auch darin, dass die Kassen Antibiotika bezahlen würden, viele andere Maßnahmen wie Phytotherapeutika aber nicht. Dass es wirksame pflanzliche Arzneimittel gibt, schilderte Kardos am Beispiel eines Thymian-Efeu-Präparates (Bronchipret®). In einer Studie waren die Hustensymptome bei Patienten mit akuter Bronchitis zwei Tage schneller um die Hälfte reduziert als in der Placebo-Gruppe.

Um niedergelassenen Kollegen eine Hilfestellung bei Patienten mit akuter Bronchitis oder akuter Rhinosinusitis zu geben, hat Kardos einen praxisnahen Algorithmus mit erarbeitet. Indikationstypische „Red Flags“ sind aufgeführt, eine Tabelle erleichtert die Beurteilung von CRP- und Procalcitonin-Test. Leitliniengerechte Antibiotika für beide Indikationen sind aufgelistet, falls eine Antibiose indiziert ist. (hub)

Download des Therapie-Algorithmus auf: www.aerztezeitung.de/917409

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Dr. Peter Möller ist niedergelassener Kinder- und Jugendarzt sowie Kinderkardiologe aus Kiel.

© [M] Photostudio Studioline; © [M] chombosan / Getty Images / iStock

„ÄrzteTag extra“-Podcast

RSV – ein Risiko für alle Kinder?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

Erste klinische Studie belegt Wirksamkeit des Herzpflasters

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Änderungen aus dem GOLD-Update

Neues Vorgehen bei COPD: Proaktiv statt reaktiv!

Lesetipps
Ein Arzt hält ein Model des männlichen Geschlechtstraktes und zeigt mit einem Stift auf die Prostata.

© Peakstock / stock.adobe.com

Cochrane-Review

Prostatakrebs: Wie ist denn nun die Evidenz des PSA-Screenings?

Modell des Darms

© SewcreamStudio / Stock.adobe.com

FODMAP, Hypnose, Stuhltransfer

Diese Interventionen helfen beim Reizdarmsyndrom

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram