Ärzte Zeitung, 13.10.2005

Hoffnung auf noch bessere HCV-Eliminationsraten

Anpassung der Therapie von Hepatitis-C-Patienten an die Viruskinetik ist erfolgversprechend

HAMBURG (awa). Nach Ansicht von Professor Ansgar Lohse aus Hamburg ist bei Hepatitis-C-Patienten eine Steigerung der Eliminations-Raten möglich, wenn die Therapie noch genauer als bisher an die Viruskinetik bei den Patienten angepaßt wird. Zudem müßte das Management der belastenden unerwünschten Wirkungen verbessert werden.

Drei Modelle des viralen Erregers der Hepatitis C. Im Innern erkennbar: das RNA-Erbgut. Foto: Hepatitis-C-Forum

Schon heute lassen sich bei bis zu 60 Prozent aller Patienten, die chronisch mit Hepatitis-C-Viren (HCV) infiziert sind, mit pegyliertem Interferon-alfa plus Ribavirin die Viren langfristig eliminieren. Lohse spricht dabei sogar von einer klinischen Heilung der Patienten.

Patienten mit den prognostisch ungünstigen HCV-Genotypen 1 oder 4 werden 48 Wochen lang behandelt, und zwar mit einmal wöchentlich pegyliertem Interferon- alfa und täglich Ribavirin (unter 75 kg Körpergewicht 1 000 mg, über 75 kg 1 200 mg).

Bei 56 Prozent der Patienten läßt sich dabei HCV eliminieren. Bei den prognostisch günstigeren Genotypen, also Typ 2 und Typ 3, reichen 24 Wochen Therapie aus; Ribavirin wird geringer dosiert (800 mg täglich). Bei fast 80 Prozent der Patienten werden die Viren eliminiert.

Nach zwölf Wochen läßt sich bereits beurteilen, ob die Therapie erfolgreich ist, betonte Lohse auf einer Veranstaltung der Deutschen Leberhilfe e.V. in Hamburg. Fällt die HCV-RNA in dieser Zeit auf mindestens ein Hundertstel des Ausgangswerts, sprechen die Patienten auch langfristig auf die Behandlung an.

Bei geringerer HCV-RNA-Reduktion wird die Therapie abgebrochen. Zur Zeit werde geprüft, ob eine Therapie bei den Patienten verkürzt werden kann, die bei einem ungünstigen Genotyp schnell ansprechen. Aber auch die Möglichkeit, die Therapie zu verlängern, wenn Patienten nicht ansprechen, wird nach Angaben von Lohse untersucht.

Therapieerfolg durch gute Compliance und Abstinenz

Der Behandlungserfolg hängt vom Alter der Patienten, von der Dauer der Erkrankung und der Höhe der Viruskonzentration im Blut ab. Je früher die Therapie nach der Infektion beginne, je besser die Compliance sei und je konsequenter Alkohol vermieden werde, um so besser seien die Heilungs-Chancen, sagte Lohse.

Die Kombinationstherapie bei Hepatitis C hat bekanntlich viele unerwünschte Wirkungen. Fast jeder zehnte Patient breche die Behandlung deswegen ab, sagte Lohse. Deshalb sei es besonders wichtig, die Patienten über die typischen unerwünschten Wirkungen wie Depressionen oder grippeähnliche Symptome aufzuklären. Die Therapie-bedingten Depressionen ließen sich zum Beispiel gut mit einem Serotonin-Reuptake-Hemmer lindern.

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