Ärzte Zeitung, 17.10.2016

HCV-Therapie

Erfolg bei Suchtkranken

Eine Hepatitis-C-Therapie lohnt auch bei Betroffenen mit Suchterkrankungen. Wirksamkeit und Adhärenz sind vergleichbar mit anderen Patientenpopulationen.

Von Martina Freyer

MÜNCHEN. Auf dem Weg zur Elimination der Hepatitis C sind Suchtpatienten eine wichtige Zielgruppe, da die meisten Neudiagnosen auf sie entfallen. In der Population mit intravenösem Drogenkonsum (PWID) werden rund 80 Prozent aller Neudiagnosen mit bekanntem Übertragungsweg verzeichnet, berichtete Dr. Stefan Christensen, CIM Centrum für interdisziplinäre Medizin in Münster.

In der HCV-Therapie gibt es immer weniger Genotypen und Erkrankungsstadien mit schlechter Prognose. Durch vereinfachte Regime mit immer weniger Tabletten und ribavirinfreien Optionen fallen Therapiebarrieren. Auch bei bisher schwer zu behandelnden Patienten, wie in der Gruppe der vortherapierten Zirrhose-Patienten mit Genotyp-3-Infektion, kann mit dem Single-Tablet-Regime mit Sofosbuvir/Velpatasvir (als Fixkombination Epclusa® erhältlich) eine Heilungsrate von 89 Prozent erzielt werden (versus 58 Prozent unter Sofosbuvir plus Ribavirin: 58 Prozent).

Mit der Möglichkeit, auch Patienten unter Substitution zu behandeln, kann man immer mehr Menschen für eine Behandlung erreichen. "Und wenn viele Patienten behandelbar sind, sinkt zwangsläufig auch die Zahl der Neuinfektionen", betonte Christensen bei einer von Gilead unterstützten Veranstaltung in München.

Er plädierte für eine Behandlung der Suchtpatienten: "Das ideale Setting für eine HCV-Therapie bei intravenösem Drogenkonsum ist die stabile Substitution." In einer retrospektiven Analyse der ASTRAL-Studien 1, 2 und 3 wurde die Wirksamkeit von Sofosbuvir/Velpatasvir bei Patienten mit einer Infektion der Genotypen 1 bis 4 mit (n = 51) und ohne (n = 984) Substitution verglichen.

Die SVR12-Raten (virologisches Ansprechen über 12 Wochen) betrugen 96 Prozent bei Patienten unter Substitution und 98 Prozent in der Gruppe ohne Substitution.

Dass Patienten unter Substitution vergleichbare Heilungschancen wie Patienten ohne Substitution haben, bestätigt auch eine Analyse der Phase-III-Studien ION-1, -2 und -3 mit Sofosbuvir/Velpatasvir. Damit habe man effektive Therapien zur Hand, um eine HCV-Infektion bei Patienten unter Substitution gut zu behandeln, so Christensen. Wichtig sei es dabei, auf die Adhärenz zu achten und Maßnahmen gegen eine Reinfektion zu treffen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Prostatakrebs bei jungen Männern immer früher entdeckt

Im Vergleich zu den 1990er Jahren wird heute das Prostatakarzinom bei Männern unter 50 Jahren bereits in früheren Stadien diagnostiziert. Darauf deuten Studienergebnisse hin. mehr »

Wie man trotz Plätzchen den Kilos trotzt

Ein Lebkuchen hier, ein Dominostein da und dann noch die fette Weihnachtsgans. Britische Forscher geben studiengeprüfte Tipps gegen den üblichen Gewichtszuwachs an den Feiertagen. mehr »

Pfunde weg, Diabetes weg

Starke Gewichtsreduktion ohne Adipositas-Chirurgie: Das britische „Counterweight-Plus“-Programm bietet Patienten eine Option, die auch in Hausarztpraxen funktioniert. mehr »