Ärzte Zeitung online, 13.12.2018

Forschung

Neuer Ansatz für Impfung gegen Hepatitis C

Bestimmte Moleküle umhüllen das Hepatitis-C-Virus und verbergen es vor dem Immunsystem. Teile dieses Schutzmantels haben Forscher nun entfernt – und im Mausmodell eine Aktivierung des Immunsystems beobachtet.

HANNOVER. Seit einigen Jahren können Patienten mit Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus ja gut behandelt und mit modernen Medikamenten geheilt werden.

Dennoch suchen Forscher nach einem Impfstoff gegen das Virus. Die Gründe: Die Medikamente sind relativ kostspielig und längst nicht allen Infizierten zugänglich. Zudem schützt die Behandlung nicht vor einer Neuinfektion.

„Das Problem bei der Entwicklung eines HCV-Impfstoffes ist, dass das Virus sehr wandelbar ist und viele unterschiedliche Varianten auf der Welt kursieren, die sich stetig weiter verändern“, erinnert Dr. Patrick Behrendt, Wissenschaftler am TWINCORE Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover.

Aufgabe sei es, Teile der Virusoberfläche zu finden, die sich nicht verändern und die das Immunsystem im Idealfall auch noch nach Jahrzehnten wiedererkennen kann, heißt es in einer Mitteilung des Zentrums.

Ausgefeilte Schutzmechanismen

Eines dieser konservierten Oberflächenteile des Virus ist die Bindungsstelle für den Rezeptor CD81. Diesen Teil der Virusoberfläche benötigt das Virus, um in die Leberzellen einzudringen. Es ist der Schlüssel zur Infektion der Zellen und kann sich daher nicht stark verändern.

Ein Impfstoff, der auf diesem Teil des Virus basiert, sollte daher einen eindeutigen und lang anhaltenden Eindruck im Immunsystem hinterlassen, sodass der geimpfte Körper unzählige Varianten von HCV abwehren sollte.

Soweit die Idee – wäre es allerdings so einfach, gäbe es längst einen HCV-Impfstoff, gibt die Wissenschaftlerin Dr. Tanvi Khera, zu bedenken: „Das Virus hat sehr ausgefeilte Schutzmechanismen und scheint um die Empfindlichkeit dieser Stelle zu wissen. Strukturanalysen dieses Komplexes haben uns gezeigt, dass diese konservierte Struktur von Zuckerstrukturen und sehr wandlungsfähigen Teilen des Virus wie ein Schutzmantel umhüllt wird“, so Khera in der Mitteilung.

Dieser Schutzmantel verhindert sehr effizient, dass Immunzellen diese charakteristische Struktur zu sehen bekommen – sowohl bei einer Infektion als auch beim Einsatz als Impfstoff.

Spezialisierung auf den Menschen

Um die Impfreaktion gegen HCV zu verbessern, haben die Forscher Teile des Schutzmantels durch genetische Veränderungen am Virus entfernt. Diesen zum Teil entkleideten Komplex haben sie dem Immunsystem von Mäusen präsentiert und eine deutliche Aktivierung des Immunsystems beobachtet – allerdings nur für diese eine Variante des Hepatitis-C-Virus (Journal of Hepatology 2018, online 13. November).

„Das sind gute und wichtige Hinweise, die uns den weiteren Weg auf der Suche nach einem Impfstoff weisen“, wird Dr. Dorothea Bankwitz, die das Projekt künftig weiter verfolgen wird, in der Mitteilung zitiert.

So suchen die Wissenschaftler zum Beispiel nach dem Grund, weshalb es so schwierig ist, das Immunsystem für unterschiedliche Varianten von HCV zu aktivieren. Oder wie sie den Tarnmantel beim Infektions-Virus austricksen können.

Allerdings sei das HC-Virus extrem stark auf den Menschen spezialisiert, sodass es nur anhand von Patientenproben erforscht werden könne. Dafür sei ein enges internationales Forschungs-Netzwerk aufgebaut worden, das die Impfstoffentwicklung für HCV in den nächsten Jahren vorantreiben werde. (eb)

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