Ärzte Zeitung, 23.10.2006

Zoster-Impfstoff wirkt innerhalb von Tagen

Zoster-Impfung könnte helfen, Varizellen-Viren zurückzudrängen / Inzidenz von Zoster-Erkrankungen wird halbiert

BERLIN (gvg). Die neue Zoster-Impfung des Unternehmens Sanofi Pasteur MSD verhindert das Auftreten von Herpes zoster wahrscheinlich bereits innerhalb weniger Tage nach dem Impftermin. Die Impfung könnte helfen, die Varizellen-Viren deutlich zurückzudrängen. Als kühlschranktaugliche Formulierung soll der Impfstoff ab kommendem Jahr verfügbar sein.

Herpes zoster: Charakteristisch sind brennende, einschießende oder stechende Schmerzen und Hautläsionen. Fotos: Schauerte

Das Varizella-Zoster-Virus (VZV), der Erreger von Windpocken und Herpes zoster, hat nur einen einzigen Wirt, nämlich den Menschen. "In den USA ist es durch die Varizellen-Impfung in den vergangenen Jahren in einigen Regionen gelungen, Windpocken zu einer Rarität zu machen, über die sogar die Lokalpresse berichtet", sagte Professor Florian Schödel, bei Merck & Co (in Deutschland MSD) zuständig für die klinische Impfstoff-Forschung.

Durch die neue Impfung gegen Herpes zoster rückt jetzt eine noch effektivere Unterdrückung der Viruszirkulation in greifbare Nähe. "In der Shingels Prevention Study hat die Impfung die Inzidenz von Herpes zoster um die Hälfte reduziert", so Schödel. Weil auch Zoster-Patienten infektiös sind und praktisch alle Erwachsenen Varizellenträger sind, könnte das VZV allein durch eine Windpocken-Impfung zumindest in den nächsten Jahrzehnten nicht völlig zurückgedrängt werden.

Die Ergebnisse der Shingles Prevention Study deuteten darauf hin, daß die Zoster-Impfung schon innerhalb weniger Tage einen protektiven Effekt hat, wie Schödel betonte. So sei in der Gruppe, die den Impfstoff erhalten hatte, nur bei sechs Patienten in den ersten dreißig Tagen nach der Impfung ein Herpes zoster aufgetreten. In der Placebo-Gruppe waren es dreimal so viele. Insgesamt traten in der Studie, die zur Zulassung des Impfstoffs Zostavax® in den USA und Europa geführt hat, bei über 38 000 Probanden in vier Jahren knapp tausend Zoster-Erkrankungen auf, zwei Drittel davon in der Placebo-Gruppe.

Obwohl der neue Impfstoff vierzehnmal so konzentriert ist wie der chemisch identische Varizellen-Impfstoff, sei die Verträglichkeit der Zoster-Vakzine ähnlich gut, so Schödel. Die Häufigkeit systemischer Ereignisse als Reaktion auf die Impfung unterschied sich nicht von der in der Placebo-Gruppe. Lediglich lokale Reaktionen an der Impfstelle treten bei etwa der Hälfte der Impflinge auf. Fast immer handelt es sich dabei um ein lokal begrenztes, varizellenähnliches Exanthem von kurzer Verweildauer.

STICHWORT

Herpes zoster (Gürtelrose)

Erreger: Das Varizella-Zoster-Virus, ein doppelsträngiges DNA-Virus aus der Gruppe der Herpesviren.

Ursache: Herpes zoster entsteht durch Reaktivierung des Virus nach vorangegangener Windpocken-Erkrankung. Das Virus breitet sich meist gürtelförmig im Versorgungsgebiet eines Spinalnervens aus.

Klinik: Beginn mit Schmerzen im Versorgungsgebiet des betroffenen Ganglions. Am 3. bis 5. Tag typische Hauteruptionen mit entzündlicher Rötung und Bläschenbildung. Meist sind das Gesicht oder der Rumpf betroffen.

Komplikationen: postherpetische Neuralgie, Konjunktivitis, Keratitis

Therapie: Patienten mit Zoster erhalten Virustatika. (eb)

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