Ärzte Zeitung, 14.07.2008
 

Pneumokokken-Impfung in Norwegen erfolgreich

Skandinavier praktizieren Impfschema mit nur drei Injektionen / Impfschutz ähnlich wie bei deutschem Schema

OLSO (hub). Den Erfolg der Pneumokokken-Impfung von Säuglingen bestätigt eine aktuelle Studie aus Norwegen. Im Gegensatz zum zugelassenen, auch in Deutschland angewandten Schema 3 plus 1 wird dort nach dem Schema 2 plus 1 geimpft. Die Skandinavier kommen somit mit einem Viertel weniger Impfdosen pro Impfling aus.

Im Januar 2006 wurde in Norwegen die Impfung mit der 7-valenten konjugierten Pneumokokken-Vakzine (PCV) eingeführt und allgemein empfohlen. Um die Effektivität des Impfprogramms zu erforschen, wurden die Daten des Überwachungssystems für meldepflichtige Erkrankungen ausgewertet (Vaccine 26, 2008, 3277). Die Rate invasiver Pneumokokken-Erkrankungen bei unter Zweijährigen ging um 70 Prozent zurück: auf 14 pro 100 000 im Jahr 2007, im Vergleich zu 47 pro 100 000 und Jahr in 2004 bis 2005.

Impfversager wurden keine festgestellt: Kein Kind, das zwei PCV-Injektionen erhalten hatte, bekam eine invasive Erkrankung durch einen der sieben in der Vakzine enthaltenen Bakterien-Subtypen. Es kam auch nicht zu einer Verschiebung der Erregertypen hin zu nicht im Impfstoff enthalten Subtypen. Hier blieb die Erkrankungsrate stabil.

"Zwei Gründe haben Norwegen zu dem Impfschema 2 plus 1 veranlasst", teilte Studienleiter Dr. Didrik Vestrheim auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" mit. Einer sei die Übereinstimmung mit existierenden Impfprogrammen, bei denen nach gleichem Schema geimpft wird. "Kosten sind der andere Grund."

Studien zur Immunantwort und Erfahrungen aus den USA mit unvollständigen Impfungen durch mehrmonatige Impfstoffknappheit, hätten belegt: "Der Impfschutz der Schemata 2 plus 1 und 3 plus 1 ist ähnlich", so Vestrheim. Auch in Großbritannien und Dänemark würde nach dem norwegischen Schema geimpft.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »