Pertussis-Impfung - Schutz für Säuglinge

Kontaktpersonen junger Säuglinge sollten sich gegen Keuchhusten impfen lassen. Das geht derzeit nur kombiniert mit der Tetanus-Diphtherie-Impfung. Kein Problem, sagt Professor Fred Zepp von der Uni-Kinderklinik Mainz. Beim Praxis Update in Berlin, Wiesbaden und Düsseldorf wird er dazu Studiendaten präsentieren.

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"Ein Keuchhusten verläuft oft bei jungen Säuglingen sehr schwer. Geimpfte Erwachsene bilden einen Pertussis-freien Schutzkokon um das Neugeborene." Professor Fred Zepp, Universitätsklinikum Mainz

"Ein Keuchhusten verläuft oft bei jungen Säuglingen sehr schwer. Geimpfte Erwachsene bilden einen Pertussis-freien Schutzkokon um das Neugeborene." Professor Fred Zepp, Universitätsklinikum Mainz

© Foto: privat

Ärzte Zeitung: Herr Professor Zepp, Impfungen sind nicht nur für Kinder wichtig. Wogegen sollten sich Erwachsene immunisieren lassen?

Professor Fred Zepp: Menschen ab dem 60. Lebensjahr und chronisch Kranke, besonders Patienten mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, sollten sich nach den neuesten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut jährlich gegen Influenza und zumindest einmal gegen Pneumokokken impfen lassen.

Ärzte Zeitung: Und jüngere Erwachsene?

Zepp: Auch sie können von der jährlichen Grippeimpfung profitieren. Zum Einen schützt diese weitgehend vor den jeweils kursierenden "gewöhnlichen" Grippeviren. Zum Anderen hofft man, dass die reguläre Grippeimpfung auch einen gewissen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen nach Infektion mit eventuellen völlig neuen Influenzaviren bietet.

Ärzte Zeitung: Welche Impfungen benötigen Erwachsene noch?

Zepp: Ganz wichtig ist die Auffrischungsimpfung gegen Tetanus und Diphtherie (Td) alle zehn Jahre. Zudem ist auch die Auffrischung gegen Pertussis (aP) bei Erwachsenen sinnvoll, da der Immunschutz nach Infektion oder Impfung nur etwa acht Jahre anhält, Erwachsene können daher sehr schnell wieder an Keuchhusten erkranken. Die STIKO denkt gegenwärtig über eine solche Empfehlung nach.

Ärzte Zeitung: Was ist die Begründung dafür?

Zepp: Ein Keuchhusten verläuft oft bei jungen Säuglingen sehr schwer, teils lebensbedrohlich. Die Kinder werden ja erst ab Erreichen des dritten Lebensmonats dagegen geimpft, manche auch erst später.

Weil die Allerjüngsten also ungeschützt sind, sollten ihre Eltern, die Großeltern und Tagesmütter immun sein und einen Pertussis-freien "Schutzkokon" um das Neugeborene bilden.

Ärzte Zeitung: Die Impfung gegen Pertussis wird aber nur noch kombiniert mit der gegen Tetanus und Diphtherie angeboten. Was bedeutet es, wenn Kontaktpersonen des Babys kurz zuvor eine Td-Impfung erhalten haben? Es soll doch ein Mindestabstand von fünf Jahren eingehalten werden.

Zepp: Auch bei einem Impfabstand von nur zwei Jahren hat sich in einer klinischen Studie kein erhöhtes Risiko für überschießende Lokalreaktionen gezeigt. Und in einer ganz aktuellen Studie wurde selbst eine TdaP-Dreifachimpfung einen Monat nach Td-Zweifachimpfung gut vertragen.

Das Interview führte Simone Reisdorf.

Praxis Update: 16 CME-Punkte

Das Praxis Update findet dieses Jahr in Berlin, Wiesbaden und Düsseldorf statt. Jeder Teilnehmer kann sich an zwei Tagen einen Überblick über die neuen Entwicklungen in der gesamten Allgemeinmedizin verschaffen, etwa in Kardiologie, Rheumatologie, Diabetes, Geriatrie oder Dermatologie. Auf vielfachen Wunsch wird dieses Jahr die Pädiatrie mit Schwerpunkt Impfung aufgenommen. Neu ist auch Nephrologie. Das Praxis Update ist mit 16 CME-Punkten zertifiziert.

Die Termine:

  • 24./25. April in Berlin
  • 15./16. Mai in Wiesbaden
  • 15./16. Mai in Düsseldorf

www.praxis-update.com

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