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Bei Frühchen keinesfalls auf den Impfschutz verzichten!

Aktuelle Untersuchungen zeigen: Extrem kleine Frühgeborene profitieren von Impfungen besonders.

Von Raimund Schmidt Veröffentlicht:
Bei Frühchen keinesfalls auf den Impfschutz verzichten!

© Foto: Francois du Plessis www.fotolia.de

Sehr kleine Frühgeborene sind keinem erhöhten Impfrisiko ausgesetzt. Entsprechende Behauptungen, wie sie in jüngster Zeit vermehrt von Impfgegnern vorgebracht werden, entbehren nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) jeglicher Grundlage.

Die DGSPJ beruft sich auf die Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung, die Professor Hans-Michael Straßburg und Birgit Ziegler von der Universitäts-Kinderklinik Würzburg ausgewertet haben. Anhand der Daten von 216 Frühgeborenen der Geburtsjahrgänge 2004 bis 2006, die alle ein Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm aufwiesen, konnten die beiden Experten belegen, dass Frühchen Impfungen in der Regel gut verkraften. Diese Erkenntnisse sind deshalb von großer Bedeutung, weil heute in Deutschland bis zu 50 000 Kinder pro Jahr zu früh geboren werden. Darunter befinden sich rund 6000 sehr kleine Frühgeborene, die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen.

Da viele Organe dieser auch lange Zeit nach der Geburt noch stark geschwächten Kinder nicht vollständig ausgereift sind, wird von Expertenseite immer wieder geraten, den Umfang an Impfungen zu reduzieren und die Zeitabstände von Impfungen zu verlängern, um das Immunsystem der Kleinen zu schonen.

Dass dies jedoch nicht notwendig ist, kann der Kinderarzt Straßburg nunmehr mit Hilfe wissenschaftlicher Daten belegen. Anzuraten sind Impfungen für extrem kleine Frühgeborene vor allem deshalb, weil gerade diese Gruppe von Kindern besonders anfällig für schwer wiegende und zum Teil auch gefährliche Erkrankungen wie Hämophilus- und Pertussis-Infektionen sind.

Schwer wiegende Nebenwirkungen, die gerade bei Frühgeborenen immer wieder vermutet werden, treten dagegen nach Impfungen kaum auf. So sind nach den Daten der Würzburger Studie schwerere Nebenwirkungen - wie zum Beispiel Abfälle der Sauerstoffsättigung und Verlangsamung der Herzaktion - lediglich bei 1,1 Prozent aller geimpften Frühgeborenen vorübergehend festgestellt worden.

In einem Fragebogen gaben zudem ein Fünftel der Eltern an, dass ihr Kind nach den Impfungen unter leichten Nebenwirkungen wie Fieber, Schlafstörungen oder einer leichten Lokalreaktion litt. Diese leichteren und in der Regel ungefährlichen Nebenwirkungen können jedoch auch bei normal geborenen Kindern auftreten, wenn diese in den ersten beiden Lebensjahren geimpft werden.

Etwa 50 000 Kinder kommen in Deutschland jedes Jahr deutlich zu früh auf die Welt.

Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, dass die Impfrate von Frühchen erstaunlich hoch ist, stellt Straßburg, der sich auch als Präsident der DGSPJ für Impfungen einsetzt, selbst leicht verwundert fest. Nach der Auswertung der Daten von 216 Frühgeborenen hat der weit überwiegende Teil regulär die von der STIKO empfohlenen Basisimpfungen erhalten. Bei 97,5 Prozent wurde eine regelrechte Grundimmunisierung mit dem Sechsfach-Impfstoff festgestellt, auch die Erstimpfung für Masern, Mumps und Röteln erfolgte in 95 Prozent aller Fälle mit Beginn des 2. Lebensjahres. Die vierte Sechsfach-Impfung fand bis Ende des 2. Lebensjahres bei 90 Prozent aller extrem Frühgeborenen statt, die zweite Masern-Mumps-Röteln-Impfung dagegen nur bei 79 Prozent. 68 Prozent der Frühgeborenen wurden gegen Windpocken geimpft. Die neu eingeführte Impfung gegen Pneumokokken-Infektionen fehlte nur bei 7,2 Prozent. Bei 68,8 Prozent wurde eine Meningokokken-Impfung durchgeführt.

Möglich war die Erhebung durch die seit 2005 verankerte verpflichtende entwicklungsneurologische Nachuntersuchung aller Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm, die überwiegend in den Sozialpädiatrischen Zentren stattfinden.

Nach Auswertung der Daten steht nun auch für die DGSPJ fest, dass Vorbehalte von Impfkritikern gegen Impfungen bei sehr kleinen Frühgeborenen unbegründet sind: Straßburgs Appell an Ärzte und Eltern ist daher eindeutig formuliert: "Verzichten Sie bei Frühchen in keiner Weise auf Impfungen!"

www.impfungen-fruehgeborene.de

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