Ärzte Zeitung, 21.12.2004

Auch bei Kindern ist eine Impfung gegen Grippe zu empfehlen

Kinder mit Influenza müssen relativ oft in eine Klinik

NEU-ISENBURG (eis). Bei Kindern verläuft eine Influenza in der Regel viel schwerer als bei Erwachsenen. Es spricht daher vieles dafür, Kinder ab sechs Monaten gegen Influenza zu impfen.

Kleinkinder haben im Gegensatz zu älteren Kindern oder Erwachsenen noch keine spezifische Abwehr gegen Grippeviren, weil sich ihr Immunsystem nie zuvor mit den Erregern auseinandergesetzt hat. Wegen des geringen Durchmessers der Atemwege führe auch schon eine geringe Entzündung zu Luftnot.

Dies erkläre, sagte Professor Heinz-Josef Schmitt aus Mainz zur "Ärzte Zeitung", die hohe Hospitalisierungsrate von Kindern mit Influenza. Dies habe auch eine aktuelle epidemiologische Studie in Kiel bestätigt, so der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission.

In der Studie war die Rate der Klinikeinweisungen wegen Grippekomplikationen bei bis zu fünfjährigen Kindern mit etwa 40 pro 100 000 doppelt so hoch wie bei den über 60jährigen. Im ersten Lebensjahr kamen sogar 123 Kinder pro 100 000 wegen Influenza in die Klinik.

Hinzu kommt, daß Grippe-infizierte Kinder sehr viel länger als Erwachsene die Erreger ausscheiden, und das auch noch in sehr hohen Konzentrationen. Weil Kleinkinder zudem alles anfassen, in den Mund nehmen und ablecken, infizieren sie sich leicht. Gerade in Kindergärten und Schulen werden die Erreger bei Grippewellen daher sehr effizient verbreitet.

"Es spricht also sehr viel für eine Influenza-Impfung für Kinder", sagt Schmitt. Für eine umfassende Nutzen-Risiko-Abwägung fehlen aber noch Daten zur Wirksamkeit der Impfstoffe und zur Kosten-Effizienz. "Ärzte sollten Eltern aber darauf hinweisen, daß man Kinder ab sechs Monaten gegen Grippe impfen kann", so Schmitt. Und: "Wenn ich Kinder im Alter zwischen sechs und 24 Monaten hätte, würde ich sie gegen Grippe schützen".

Die Grippe-Impfung für Kinder wird von einigen Krankenkassen bezahlt.

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