Ärzte Zeitung, 05.10.2005
 

Gefährdete Personen sollte man öfter an Impfung erinnern

Mit einem Erinnerungssystem lassen sich die meisten Grippe-Risikopatienten erreichen / Schriftliche Einwilligung der Patienten ist nötig

BERLIN (gvg). Wer in seiner Praxis die Durchimpfungsrate für die Grippeimpfung steigern möchte, sollte an ein Erinnerungssystem (Recall-System) für Risikogruppen denken. Das System kann auch die Grundlage für eine praxisinterne Impfstatistik sein.

Ein gutes Recall-System erleichtert es Praxismitarbeitern, Patienten per Telefon an die Grippe-Impfung zu erinnern. Foto: Bilderbox

"Es gibt Praxen, die mit einem Recall-System fast alle Risikopatienten für die Grippe-Impfung erreichen", hat Professor Joachim Szecsenyi, vom Universitätsklinikum Heidelberg berichtet. Am Anfang eines Erinnerungssystems für die Grippeimpfung steht eine Liste mit allen gefährdeten Patienten.

"Das sind alle Patienten ab 60, alle, die ärztlich oder pflegerisch tätig sind und alle, die Herzkreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, chronische Nierenerkrankungen oder einen Diabetes mellitus haben", so Szecsenyi bei einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Influenza in Berlin. Diese Personen müssen dann gezielt angesprochen werden, ob sie damit einverstanden sind, daß sie an die Impfung erinnert werden - per Post, per Telefon oder auch per SMS oder E-Mail.

"Die meisten Praxis-EDV-Systeme haben mittlerweile entsprechende Module, die das sehr einfach machen", so Szecsenyi. Am besten sollten Ärzte sich von allen Risikopatienten eine schriftliche Einwilligung holen, um nicht mit der Ärztekammer wegen unzulässiger Werbung Probleme zu bekommen.

Aber auch ein unautorisierter Recall sei unproblematisch, wenn die Erinnerung allgemein formuliert werde, etwa so: "Es ist Zeit für die Grippeimpfung. Nehmen Sie einen Arzt Ihrer Wahl in Anspruch."

Ein Recall-System liefert auch die Datengrundlage für eine praxisinterne Durchimpfungsstatistik, die jährlich neu erstellt werden kann. An ihr kann man in der Praxis seinen eigenen Erfolg ablesen und sehen, bei welchen Gruppen noch weiterer Überzeugungsbedarf für die Impfung besteht.

Niemand sei so dafür prädestiniert wie Hausärzte, die Durchimpfungsrate bei der Grippe-Impfung von derzeit etwa 40 bis 50 Prozent bei Risikogruppen auf die wünschenswerten 80 Prozent anzuheben, sagte Szecsenyi.

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