Influenzaschutz

Damit überzeugen Sie Impfskeptiker

Jahresanfang ist Grippezeit - allerhöchste Eisenbahn für Influenzaimpfungen. Wer jetzt noch zaudert, weiß meist warum. Kollegen aus den USA haben die gängigsten Argumente zusammengetragen - und größtenteils gleich entkräftet.

Veröffentlicht:
Influenza-Impfung: Nicht jeder ist davon überzeugt.

Influenza-Impfung: Nicht jeder ist davon überzeugt.

© Fredrik von Erichsen / dpa

NASHVILLE. Es lohnt sich, einen Patienten, der sich nicht gegen Influenza impfen lassen will, nach dem Grund zu fragen. Denn meist basiert die Ablehnung auf einer Fehleinschätzung, die mit ein paar Erklärungen ins Reich der Märchen verbannt werden kann.

Für Patientengespräche dieser Art haben amerikanische Kollegen nun die passenden Argumente zusammengefasst.

Gerade jetzt, wo die Influenza wieder über die nördliche Hemisphäre zieht, ist es schließlich besonders wichtig, daran zu erinnern, was jeder Einzelne tun kann, um die Infektionswelle einzudämmen: Hände häufiger waschen, niemanden anhusten und sich zuhause auskurieren.

Eine weitere wichtige Vorsichtsmaßnahme ist natürlich die jährliche Schutzimpfung, üblicherweise mit einem trivalenten Totimpfstoff. Er schützt einer aktuellen Metaanalyse zufolge 59 Prozent der Geimpften.

Der attenuierte Lebendimpfstoff (LAIV) brachte es bei Kindern auf eine Wirkquote von 83 Prozent. Doch noch immer lassen sich zu wenige Menschen impfen, meinen T. R. Talbot und H. K. Talbot von der Vanderbilt University School of Medicine aus Nashville im US-Bundesstaat Tennessee (JAMA 2013; online 18. Januar).

Selbst in den Risikogruppen sind die Impfquoten niedrig. Welche Gründe von den Impfmuffeln am häufigsten genannt werden, haben die Autoren zusammengetragen - und liefern gleich mögliche Gegenargumente mit.

"Der Impfstoff schützt nicht." Auch wenn die Grippeimpfung nicht so effektiv ist wie viele andere Impfungen, heißt das nicht, dass sie nicht wirkt. In dieser Saison liegt die Effektivität laut den US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bei 62 Prozent.

Gleichzeitig bietet die Impfung einen gewissen Schutz vor schweren Komplikationen, die mit einer Influenza einhergehen können.

"Die Impfung löst eine Grippe aus." Derzeit sind in Deutschland Totimpfstoffe sowie ein attenuierter Lebendimpfstoff (LAIV) zur nasalen Applikation zugelassen. Keiner von ihnen kann eine Infektion auslösen.

Der Totimpfstoff enthält abgetötete Viren und virale Antigene, die abgeschwächten Viren im LAIV können sich unter den Bedingungen des menschlichen Körpers nicht vermehren.

Entwickeln sich nach einer Impfung influenzaähnliche Symptome, sind diese durch ein anderes Virus ausgelöst worden, hat bereits eine Infektion mit Influenza bestanden, bevor sich der Impfschutz aufbauen konnte, oder der Patient hat sich trotz Impfung mit Influenzaviren infiziert.

"Ich habe eine Eiweißallergie." Allergiker mit schweren Reaktionen gegen Hühnereiweiß, wie etwa Anaphylaxien, sollten sich nach wie vor nicht gegen Influenza impfen lassen.

Sind aus der Vergangenheit Reaktionen wie Angioödem, Atembeschwerden, Übelkeit, Erbrechen oder die Notwendigkeit zum Einsatz von Adrenalin oder einer Notfallbehandlung bekannt, sollten die Patienten zur Einschätzung der Situation an einen Allergologen überwiesen werden.

Allen anderen Eiweißallergikern wird aktuell unter Berücksichtigung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen zur Grippeimpfung geraten. Das Advisory Committee on Immunization Practices empfiehlt, Patienten, die nach Eiexposition bislang lediglich mit einer Urtikaria reagiert haben, nach der Impfung noch 30 Minuten zu beobachten.

"Ich kann mich nicht impfen lassen, weil ich schwanger bin/ein anderes medizinisches Problem habe/mit einer immungeschwächten Person zusammenlebe." Mit diesem Argument werden genau diejenigen nicht geimpft, die zu der Gruppe mit dem höchsten Risiko gehören.

Diese Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, welche Auswirkungen die Übertragung einer Influenza auf die andere Person (oder Situation) haben könnte, die sie durch den Verzicht auf die Impfung schützen möchten.

"Ich bekomme keine Grippe, ich bin gesund." Auch wenn die Influenza bei einer infizierten Person nur geringe oder gar keine Symptome erkennen lässt, können die Viren dennoch auf andere übertragen werden.

Dieser Aspekt muss unter anderem. immer wieder angeführt werden, wenn es um die Impfmüdigkeit der Beschäftigten im Gesundheitssystem geht. (St)

Mehr zum Thema

Atemwegserreger

RSV-Welle hat begonnen

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft