Ärzte Zeitung online, 27.09.2013
 

Influenza

Sechs Alarmsignale bei Kindern

Gibt es Warnzeichen, ob Kindern mit Influenza-Symptomen lebensbedrohliche Komplikationen drohen? Ja, sagen jetzt Pädiater: Sie haben sechs wichtige Signale identifiziert.

Sechs Alarmsignale bei Kindern mit Influenza-Symptomen

Plötzlicher Krankheitsbeginn, Fieber, trockener Husten und andere Erkältungszeichen deuten auf Influenza. Alarmzeichen für schwere Verläufe sind unter anderen Tachykardie und Dehydratation.

© Kontrec / shutterstock.com

AUCKLAND. Während der Influenza-A-H1N1-Pandemie im Jahr 2009 waren Notfallambulanzen und Praxen einem plötzlichen Ansturm von Kindern mit grippeartigen Symptomen ausgesetzt. Was damals weitgehend fehlte, waren eindeutige Kriterien, bei welchen der Patienten mit lebensbedrohlichen Verläufen zu rechnen ist.

Das haben Ärzte des Pediatric Emergency Research Network nun nachgeholt. Retrospektiv haben sie die Krankenakten von 265 unter 16 Jahre alten Kindern mit schweren Komplikationen ausgewertet (BMJ 2013; online 12 August).

Die Kinder waren während der Pandemie mit influenzatypischer Symptomatik - Temperatur von 37,8 °C oder darüber und Husten oder Halsschmerzen - in eine pädiatrische Notfallambulanz eingeliefert worden und dann infolge der (im Labor bestätigten) Influenzainfektion gestorben oder zu Beatmung und/oder vasopressorischer/inotroper Behandlung auf eine Intensivstation verlegt worden.

Jeder dieser Patienten wurde verglichen mit zwei Kindern, die mit Grippesymptomen in derselben Notfallambulanz versorgt worden waren, deren Erkrankung aber einen leichteren Verlauf genommen hatte.

Keine Auffälligkeit bei der Temperatur

Die Kinder mit schwerem Verlauf, mit 57 Prozent mehr Jungen als Mädchen, waren im Mittel 6,6 Jahre alt. Sie wirkten bereits bei der Ankunft in der Ambulanz stärker beeinträchtigt als die Vergleichsgruppe.

Sie waren jedoch insgesamt nicht länger erkrankt und hatten auch keine höhere Körpertemperatur. In beiden Gruppen litten 90 Prozent der Kinder an Husten, nur von Halsschmerzen waren mehr Kontrollkinder betroffen.

Zwei anamnestische Faktoren und vier Untersuchungsbefunde erwiesen sich in einer multivariaten Analyse als unabhängige Prädiktoren für eine schwere Erkrankung:

  • Chronische Lungenerkrankung,
  • Zerebralparese/Entwicklungsverzögerung,
  • Sauerstoffbedarf oder erniedrigte Sauerstoffsättigung,
  • Tachykardie,
  • Thoraxeinziehungen,
  • Zeichen der Dehydratation.

"Risikofaktoren sind aussagekräftig"

Für 27 schwer erkrankte Kinder (10 Prozent) endete die Infektion tödlich. Von den sechs Parametern waren aber nur Zerebralparesen/Entwicklungsverzögerungen mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.

In der Studie wurden außerdem die Akten von 56 weiteren Kindern ausgewertet, bei denen eine H1N1-Infektion mit intensivmedizinischem Behandlungsbedarf oder Todesfolge besonders tückisch verlaufen war: Bei der Ankunft in der Notfallaufnahme hatten diese Kinder nicht die klassischen Influenzasymptome aufgewiesen.

Sieben von ihnen (13 Prozent) starben an der Infektion. Im Vergleich zu den schwer kranken Patienten mit typischer Symptomatik hatte bei ihnen häufiger eine Immunsuppression oder eine Krebserkrankung bestanden, andere Unterschiede wurden nicht festgestellt.

Die Studienautoren um Dr. Stuart Dalziel von der Universitätsklinik in Auckland gehen davon aus, dass die von ihnen identifizierten sechs Risikofaktoren "aussagekräftig und verallgemeinerbar" sind.

"Bei Kindern mit influenzatypischen Symptomen während einer Pandemie können diese Risikofaktoren ein Warnsignal für eine schlechte Prognose sein." (BS)

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