Ärzte Zeitung online, 09.11.2018

Umfrage

Niedrige Impfquote bei Klinikpersonal

Einer Umfrage zufolge ist nicht einmal jeder fünfte hessische Klinik-Mitarbeiter trotz direkten Kontakts zu Patienten gegen Influenza geimpft.

Von Anne Bäurle

NEU-ISENBURG. Nur 17,8 Prozent der Mitarbeiter an hessischen Kliniken, die Kontakt mit Patienten haben, sind gegen Influenza geimpft. Das hat eine Umfrage der Sendung „defacto“ des „Hessischen Rundfunks“ („hr“) ergeben.

An der Umfrage beteiligten sich Angaben des „hr“ zufolge 45 von 150 Kliniken in Hessen. Dabei habe nur rund jede dritte Einrichtung einen Überblick darüber gehabt, ob ihre Mitarbeiter überhaupt gegen Grippe oder andere Krankheiten geimpft sind.

Die „hr“-Daten sind damit deutlich schlechter als Daten, die eine Umfrage des Robert Koch-Instituts (RKI) kürzlich ergeben hat.

Die deutschlandweite Umfrage des Instituts hatte im August dieses Jahres ergeben, dass sich nur gut 40 Prozent der Mitarbeiter von 54 Kliniken in Deutschland nach eigenen Angaben in der Saison 2016 / 2017 gegen Influenza hatten impfen lassen.

Während 61 Prozent der befragten Ärzte den Schutz wahrgenommen hatten, waren es beim Pflegepersonal nur 33 Prozent und bei Menschen in therapeutischen Berufen nur 34 Prozent.

Als Grund für ihre Entscheidung gaben sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte häufig das „schlechte Nutzen- / Risiko-Verhältnis“ des Impfstoffs an und außerdem „Angst vor Nebenwirkungen“. Ärzte nannten darüber hinaus häufig als Grund „vergessen“ sowie „organisatorische Gründe“.

Unbefriedigende Impfquote

Das hessische Sozialministerium in Wiesbaden gab auf Anfrage des „hr“ zur „defacto“-Umfrage an, die Impfquote beim Klinikpersonal sei unbefriedigend.

Ein Sprecher sagte dem Sender, Klinik-Mitarbeiter hätten ein hohes Risiko, sich mit Influenza-Viren zu infizieren und stellten eine mögliche Infektionsquelle für die von ihnen betreuten Patienten dar.

Grundsätzlich könne der Arbeitgeber nach dem Infektionsschutzgesetz Beschäftigte ohne Impfschutz in Bereichen einsetzen, bei denen weniger Kontakt zu Patienten bestehe.

Die „defacto“-Umfrage hat zudem ergeben, dass die hessischen Kliniken im Bezug auf eine mögliche Impfpflicht für ihre Mitarbeiter gespalten sind: Demnach befürworten 43 Prozent der Kliniken eine verpflichtende Grippeimpfung für das Personal, eine Mehrheit von 57 Prozent ist dagegen.

Vielmehr setzten viele Kliniken darauf, ihre Mitarbeiter über die Gründe für eine Grippeimpfung aufzuklären, um so die Bereitschaft für eine Impfung zu erhöhen.

„Letztendlich ist das allerdings eine politische Entscheidung und weniger eine Entscheidung der Krankenhäuser“, wird der Geschäftsführer des Klinikverbunds Hessen, Reinhard Schaffert, zitiert.

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