Ärzte Zeitung, 20.09.2013

Neues Coronavirus

Drei Virus-Typen entdeckt

Die Lungenkrankheit Mers ist offenbar mehrfach von Tieren auf Menschen übergesprungen. Forscher haben jetzt mehrere Mers-Virusstämme entdeckt.

LONDON. Forscher haben jetzt in Saudi-Arabien drei verschiedene Mers-Virus-Typen von Patienten isoliert. Auch bei einem Ausbruch in einer Klinik unterschieden sich die Viren.

Danach müssen sich die Patienten auf verschiedenen Wegen angesteckt haben, berichtet das Team um Paul Kellam vom Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridge (Lancet 2013, online 20. September).

Die verschiedenen Linien der Viren seien offenbar entstanden, weil diese mehrfach von Tieren auf Menschen übergesprungen sind, so die Forscher.

Die Daten wiesen zudem darauf hin, dass es eine gewisse Zeit her ist, dass die Viren einen gemeinsamen "Vorfahren" hatten. Es gebe möglicherweise auch bislang unbekannte Fälle infizierter - und vielleicht symptomfreier - Menschen, die den Erreger übertragen hätten

Das Mers-Virus gehört zur Gruppe der Coronaviren, die Vögel und Säugetiere infizieren. Einer Untersuchung zufolge könnte es von Fledermäusen stammen, Anzeichen einer Infektion wurden aber auch in Dromedaren gefunden.

Derzeit laufen unter anderem Studien bei Kamelen, Fledermäusen, Ziegen, Schafen, Hunden, Katzen und Nagetieren.

Grippeähnliche Symptome

Seit September 2012 hat die WHO insgesamt 114 bestätigte Laborfälle mit der Sars-ähnlichen Infektion gezählt. Bislang starben demnach 54 Menschen am Mers CoV (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus).

Patienten erkranken an grippeähnlichen Symptomen, es kann zu Nierenversagen und schweren Lungenentzündungen kommen. Alle Erkrankten hatten einen direkten oder indirekten Bezug zu Saudi-Arabien, Jordanien, Katar oder den Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Infektionen traten vereinzelt, in Familien oder gesammelt in Kliniken auf. Auch über Mensch-zu-Mensch-Übertragungen wurde bisher berichtet, und zwar aus England, Frankreich, Tunesien, Italien und Saudi-Arabien.

Experten hatten befürchtet, dass sich zahlreiche Menschen bei der Pilgerfahrt nach Mekka im Oktober 2012 und während des Ramadans im Juli 2013 anstecken würden. Bislang seien aber keine Fälle gemeldet worden, hieß es nun. (dpa)

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