Ärzte Zeitung, 14.12.2011
 

Erster Norovirus-Impfstoff wirkt - ein bisschen

Der weltweit erste Impfstoff gegen Noroviren beweist sich: In einer klinischen Studie hat er jetzt seine Wirksamkeit gezeigt. Doch die Freude der Forscher ist getrübt.

Fortschritte bei der Entwicklung eines Norovirus-Impfstoffs

Noroviren: Ein neuer Impfstoff soll vor ihnen schützen.

© medicograph / fotolia.com

HOUSTON (EO). Noroviren sorgen vor allem in der kalten Jahreszeit für einen deutlichen Anstieg der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle. Die teils schweren Gastroenteritiden, mit denen die Infektion einhergeht, können bei Kindern und Altenheimbewohnern lebensbedrohlich werden.

An einer Impfung wird fieberhaft gearbeitet; die Resultate einer ersten klinischen Studie wurden jetzt veröffentlicht (NEJM 2011; 365: 2178).

Das Ergebnis der randomisierten, placebokontrollierten Studie blieb allerdings deutlich hinter den Erwartungen zurück; damit gibt es vorerst keinen wirklich wirksamen Impfstoff gegen das Norovirus.

Der erste in einer klinischen Studie getestete Kandidat, die intranasal zu verabreichende VLP-Vakzine (virus-like particle) der US-Firma LigoCyte Pharmaceuticals, konnte nur bei knapp 40 Prozent der Geimpften eine Infektion verhindern (unter Placebo blieben 18 Prozent verschont).

Nur geringe Schutzwirkung

Die Erkrankungsrate wurde zwar signifikant um relative 47 Prozent gesenkt, im Falle einer Epidemie dürfte die Schutzwirkung aber zu gering sein, um eine Ausbreitung des hochinfektiösen Erregers zu verhindern.

An der Phase-I/II-Studie hatten insgesamt 98 gesunde Männer und Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren teilgenommen. Diesen hatte man entweder die Vakzine oder Placebo, jeweils in zwei Dosen im Abstand von drei Wochen, verabreicht.

Nach weiteren drei Wochen erhielten die Probanden einen virushaltigen Cocktail per os. Danach erkrankten 37 Prozent der Geimpften an der typischen Gastroenteritis mit Erbrechen und Durchfall, in der Placebogruppe waren es 69 Prozent.

Der Schweregrad der Erkrankung konnte um relative 35 Prozent gemildert werden, der Erkrankungsbeginn wurde um einige Stunden hinausgezögert.

Die Vakzine hatte bei 70 Prozent der geimpften Teilnehmer einen Anstieg der virusspezifischen Serumantikörper im ELISA um den Faktor 4 bewirkt (Seroresponse). Damit war die Response deutlich geringer als die nach Infektionen beobachteten Anstiegsraten.

Kaum Nebenwirkungen

Aber: Höhere Antikörpertiter von über 200 waren mit einer deutlich verstärkten Schutzwirkung gegen die Gastroenteritis verbunden. Damit zeichnet sich ab, dass man mit der Impfstrategie zumindest auf dem richtigen Weg ist.

Die Studie konnte außerdem zeigen, dass der Impfstoff sicher ist: Die Teilnehmer bemerkten allenfalls leichte Schnupfensymptome, die aber auch in der Placebogruppe auftraten.

Der zukünftige Erfolg einer Anti-Norovirus-Vakzine wird davon abhängen, so die Forscher um Robert L. Atmar vom texanischen Baylor College of Medicine in Houston, ob diese vor den verschiedenen Genotypen des Erregers schützt (der aktuelle Impfstoff richtet sich speziell gegen den Genotyp GI.1).

Ferner wird die genetische Drift zu berücksichtigen sein, denen die Virusstämme unterliegen, was möglicherweise wie bei der Grippeimpfung periodische Wechsel in der Vakzin-Zusammensetzung erforderlich machen wird.

Künftige Studien werden außerdem zeigen müssen, ob der Impfstoff auch bei Kindern und alten Menschen wirksam und ausreichend sicher ist.

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