Ärzte Zeitung online, 05.03.2014
 

Antibiose

Jede vierte C.-difficile-Infektion vermeidbar?

Antibiotika im Visier der Forscher: US-Autoren glauben, dass jede vierte Infektion mit Clostridium difficile vermeidbar wäre - würden nur weniger Antibiotika eingesetzt.

ATLANTA. Jede vierte nosokomiale Infektion mit Clostridium difficile könnte womöglich vermieden werden - würde sich die Verschreibungspraxis von Breitbandantibiotika im klinischen Alltag ändern. Darauf deuten zumindest Modellrechnungen der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

Die Experten der Seuchenkontrollbehörde hatten unter anderem Verschreibungsdaten für Antibiotika aus einer Umfrage des "Emerging Infections Program" unter zehn Krankenhäusern analysiert. Zusätzlich haben sie Verschreibungsinformationen aus 19 Kliniken von Oktober 2012 bis Oktober 2013 sowie Daten einer Marktanalyse für Antibiotika-Verkäufe aus dem Jahr 2010 für ihre Analyse hinzugezogen.

Auf Basis dieser Daten entwickelten sie ein "dynamisches Modell", mit dem sie abhängig von der Antibiotikagabe das Risiko für C.-difficile-Infektionen eruieren wollten (MMWR 2014; 63(Early Release): 1-7).

Mehr als jeder zweite Patient (55,7 Prozent) bekam den Daten zufolge an mindestens einem Krankenhaustag ein Antibiotikum verordnet, jeder Dritte erhielt mindestens eine Gabe eines Breitbandantibiotikums. Die häufigsten Indikationen waren Lungeninfektionen, Harnwegsinfekte (HWI) und "vermutete" Infektionen mit resistenzbildenden grampositiven Erregern.

Bei genauerer Durchsicht der Fälle fanden die Forscher einen erheblichen Teil von Patienten, die nach Ansicht der CDC-Experten womöglich gar keine Antibiose gebraucht hätten. Darunter waren HWI-Patienten ohne Blasenkatheter, der Urinkultur entweder ohne Befund war, oder die trotz positiven Befund asymptomatisch waren.

Ebenso fanden die Forscher Patienten, die mit Vancomycin i.v. behandelt wurden, obwohl entweder keine Kultur angelegt wurde, sie keinen Nachweis grampositiver Erreger enthielt, oder die gefundenen S. aureus nur Oxacillin-empfindlich waren.

Diese Fälle in der Gesamtheit machten unter den beiden Patientengruppen (HWI und Vancomycin-Therapie) insgesamt 37,2 Prozent aus - mehr als jeder dritte Patient. In all diesen Fällen ließe sich die Antibiotikagabe "verbessern", schreiben die Forscher, würden die Therapeutika gezielter und anhand spezifischer Befunde eingesetzt.

Denn eine übermäßige Antibiotikatherapie in Kliniken, erinnern die CDC-Autoren, bilde bekanntlich nicht nur ein mögliches Risiko für die Resistenzbildung, sondern könne auch zu unerbetenen Komplikationen führen - etwa eine Infektion mit C. difficile.

Hier konnten die Forscher anhand ihrer Daten einen deutlichen Risikounterschied bei Patienten mit und ohne Antibiose ausmachen - 6,8 versus 24,8 Fälle pro 1000 Klinikentlassungen. Für die Breitbandantibiose ergab sich in der Modellierung ein relatives Risiko von 2,9, an einer C.-difficile-Infektion zu erkranken.

Die grampositiven Stäbchen können bekanntlich bei einer Antibiose, die andere typische Darmbesiedler angreift, die Lücke ausnutzen, sich rasch vermehren und so zu einer entzündlichen Darmerkrankung führen.

Die CDC-Experten haben errechnet, dass schon allein eine Reduktion der Verschreibungen von Breitbandantibiotika um 30 Prozent zu einer Senkung der Infektionsrate mit C. difficile in Krankenhäusern um 26 Prozent führen würde. Dies würde gerade einmal eine Reduktion bei der Gesamtantibiotikagabe von fünf Prozent bedeuten, so die Forscher. (nös)

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