Ärzte Zeitung, 23.11.2016
 

Deutschland

Elimination von Masern in weiter Ferne

Wegen großer Impflücken ist Deutschland weit davon entfernt, Masern auszurotten. Das hat das RKI an die WHO gemeldet. Doch das Institut sieht auch positive Entwicklung in Deutschland.

BERLIN. Deutschland kommt beim Kampf gegen Masern nicht voran. Das Land sei 2015 so weit von der Elimination entfernt gewesen wie lange nicht, betont die Nationale Verifizierungskommission Masern/Röteln am Robert Koch-Institut (RKI) in einem Report an die WHO.

2015 war danach von großen Masernausbrüchen geprägt, den größten gab es in Berlin. Gemeldet wurden bundesweit 2464 Masern-Fälle, 2014 waren es 442. Die Fallzahl schwankt von Jahr zu Jahr stark. Und die Experten gehen davon aus, dass nicht alle Fälle erfasst werden.

Grenze deutlich überschritten

Für die mit der WHO vereinbarte Elimination der Masern hätte es weniger als einen Fall pro eine Million Einwohner geben dürfen, also höchstens rund 80 Fälle. Im vergangenen Jahr wurden aber 30 Mal so viele registriert.

Wegen großer Impflücken vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen kommt die Elimination nicht voran. Aber auch bei Kleinkindern gibt es Defizite: Nach Daten der KV-Impfsurveillance waren 2014 nur 71 Prozent der Zweijährigen komplett gegen Masern geimpft.

Den Erkrankungsgipfel bei den vulnerablen Säuglingen und Kleinkindern findet die Kommission besonders bedenklich. Ebenso wird kritisiert, dass es keine repräsentativen Daten über Impfraten bei Beschäftigten im Gesundheitswesen und hier vor allem bei niedergelassenen Ärzte gibt.

Begrüßt wird die am Landesamt für Gesundheit in Bayern kürzlich eingerichtete Geschäftsstelle Nationaler Impfplan sowie der im vergangenen Jahr verabschiedete Aktionsplan zur Elimination. Nötig sei ein abgestimmtes und länderübergreifendes Vorgehen. (eis/dpa)

[24.11.2016, 08:32:21]
Wolfgang P. Bayerl 
Ist doch schon mal ein Fortschritt, zu wissen,
dass man schlecht ist.
Durch Quatschen wird das allerdings nicht besser. zum Beitrag »
[23.11.2016, 11:12:54]
Thomas Georg Schätzler 
Nationale Verifizierungskommission Masern/Röteln - Ein Trauerspiel!
Was ist das nur für ein hochtrabendendes, inhaltsleeres, gekünsteltes Geschwätz: "Nationale Verifizierungskommission Masern/Röteln" (NAVKO)?

Was ist daran national, wenn internationale Migrations-Bewegungen infektions-epidemiologisch nicht nur Masern als bedeutende Erkrankungen mitbringen? Was soll "Verifizierungskommission" heißen? Ein Bratapfel ist ein gebratener Apfel! Ein Darmverschluss ist ein verschlossener Darm! Ist das jetzt eine verifizierende Kommission, eine 'kommissionarische' Verifikation, eine komische Vibration oder eine kosmische Vision?

Nein, es ist eher eine 'Nationale Falsifizierungskommission', die eine eher komisch-kitschige infektiologische Masern-Röteln-Tragödie aufführen will, aber nur Laien-Schauspieler zur Verfügung hat.

Wenn die Kernkompetenz ist: "Die Kommission hat die Aufgabe, den Eliminationsprozess der Masern und Röteln in Deutschland zu begleiten und unter Berücksichtigung der von der WHO vorgegebenen Zielkriterien und Indikatoren zu bewerten", dann ist es ein Armutszeugnis, wenn nicht mal die unterschiedlichen Inzidenzen regional ausgewertet und interpretiert werden sollen und dürfen (Berlin als Masern-Hochburg bei Neuinfektionen).

Weiter im O-Ton auf
http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/NAVKO/Berichte/Bericht_2015_de.pdf?__blob=publicationFile
"Die Kommission hat auf ihrer Sitzung die Erstellung eines „Nationalen Aktionsplans 2015-2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland“ (NAP) durch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe und dessen Unterstützung durch die Gesundheitsministerkonferenz ausdrücklich begrüßt. Der Aktionsplan ist Teil des Nationalen Impfplans. Im Aktionsplan sind nationale strategische und messbare Ziele definiert, die die Kommission zusätzlich zu den WHO-Indikatoren zur Evaluation der Maßnahmen und Fortschritte in Richtung Eliminierung in Deutschland heranziehen kann."
https://www.gmkonline.de/documents/Aktionsplan_Masern_Roeteln_2.pdf

Und weiter in infektiologischem 'Dummsprech' zum Thema Röteln-Elimination:
"Die durchaus mögliche Unterbrechung der endemischen Transmission der Röteln anhand der von der WHO vorgegebenen Indikatoren kann aufgrund der schlechten Qualität der Surveillance nicht belegt werden."

Das heißt auf Deutsch:
Wir haben keinen Plan, nix auf dem Schirm und "Surveillance" wollen wir nicht in Deutsch formulieren!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Glossar
RKI-Definition: "Epidemiologische Surveillance - Epidemiologische Surveillance ist die fortlaufende systematische Sammlung, Analyse, Bewertung und Verbreitung von Gesundheitsdaten zum Zweck der Planung, Durchführung und Bewertung von Maßnahmen zur Krankheitsbekämpfung oder kurz "Daten für Taten". (Zitat Ende)
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Epidemiologie/epidemiologie_node.html

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