Ärzte Zeitung online, 03.08.2017

Antibiotic-Stewardship-Programme

Zweifach gegen Resistenzen

Von Beate Schumacher

Die Kritik der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, kurz DGI, ist berechtigt. Die DGI beklagt, dass die neue Leitlinie der EU-Kommission zum Umgang mit Antibiotika in der Humanmedizin kaum umzusetzen ist.

In der Leitlinie wird gefordert, dass Kliniken Antibiotic-Stewardship (ABS)-Teams einrichten, die von Spezialisten geleitet werden. In vielen deutschen Krankenhäusern gibt es aber weder Stellen für Infektiologen noch infektiologische Konsiliardienste.

Argumentationshilfe für die DGI, die einen Ausbau der Infektiologie verlangt, liefert eine Metaanalyse, die Ärzte der Uni Tübingen vorgelegt haben. Sie zeigt, dass Kolonisierung und Infektion mit resistenten Bakterien zurückgingen, wenn Kliniken ABS-Programme eingeführt hatten. Besonders wirksam waren die Programme eben dann, wenn sie infektiologische Audits beinhalteten.

Die Studie bringt noch eine wichtige Erkenntnis: Den größten Erfolg hatten ABS-Programme, wenn gleichzeitig Maßnahmen für eine bessere Handhygiene implementiert wurden. Der Kampf gegen multiresistente Keime sollte also von zwei Seiten ansetzen.

Er benötigt Spezialisten, die die Verordnung von Antibiotika prüfen, aber er erfordert auch Basismaßnahmen, die dazu beitragen, dass sich bakterielle Infektionen gar nicht erst ausbreiten.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Von Antibiotika-Cycling bis Handhygiene: Was verhindert Resistenzen am besten?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »