Ärzte Zeitung, 27.04.2010

Streunende Katzen verbreiten aggressiven Pilz

Tierliebhaber aufgepasst! Wer bei Reisen in südliche Länder streunende Katzen streichelt, könnte sich mit einem Hautpilz anstecken.

Von Angela Speth

BERLIN. Streunende Katzen gehören besonders im Mittelmeerraum zum Straßenbild, und vor allem kleine Kinder möchten sie liebend gern streicheln. Doch Vorsicht: Die Tiere sind fast immer vom Erreger Microsporum canis befallen, und der geht sehr leicht auf Menschen über. Wegen der Ansteckungsgefahr rät der Berufsverband der Deutschen Dermatologen dringend davon ab, die Katzen zu berühren (hautInform 04/10). "Bei dieser Art von Pilzinfektion kann man von einer Epidemie sprechen", warnt Professor Hans-Jürgen Tietz aus Berlin. Die Keime seien in beliebten mediterranen Urlaubsländern wie Italien, Spanien oder Griechenland weit verbreitet. "Allein in und um Athen gibt es eine Viertelmillion herrenloser Katzen. Über 90 Prozent dieser Tiere sind mit dem Erreger Microsporum canis infiziert", berichtet der Experte für Pilzinfektionen der Haut. Ein einmaliger Hautkontakt beim Streicheln eines Tieres, das diesen Pilz mit sich trägt, reiche für eine Ansteckung aus.

Streunende Katzen verbreiten aggressiven Pilz

Zuhause erlaubt, im Urlaub verboten: Katzen in Mittelmeerländern übertragen häufig Microsporum canis © photos.com

Die Inkubationszeit beträgt zehn Tage. Regelmäßig nach den Ferien kommt es zu einem Andrang pilzinfizierter Patienten in die Arztpraxen. Tietz: "Das ist ein Phänomen, das sich immer wiederholt." Leider dauere es häufig zu lange, bis die Patienten einen Hautarzt konsultieren, der die richtige Diagnose stellt.

Typische Symptome sind juckender Hautausschlag und kreisrunde rote Flecken, zuerst an jenen Körperregionen, die zuerst mit dem Tier in Kontakt kommen: an Händen oder Unterarmen. Im weiteren Verlauf geht der Ausschlag auf den Oberkörper über und erreicht schließlich die Kopfhaut. "Den Patienten, häufig kleinen Kindern, fallen die Haare büschelweise auf kreisrund segmentierten Flächen aus", beschreibt Tietz das fortgeschrittene Erscheinungsbild einer solchen Tinea capitis.

In diesem Stadium wird die Behandlung aufwändig und langwierig. In der Frühphase ist eine Therapie mit pilztötenden Salben über vier bis sechs Wochen möglich. Ist erst die Kopfhaut befallen, muss die Therapie systemisch mit Tabletten erfolgen. Das könne sich bis über ein Jahr hinziehen. Spontanheilungen seien bei dieser Infektion sehr selten.

Daher rät Tietz bei ersten Anzeichen auf Händen und Unterarmen, umgehend einen Hautarzt aufzusuchen. Dieser lässt den Erreger nach einer Hautprobe im Labor genau bestimmen und leitet die Therapie ein.

Oft bleibe es aber nicht bei einer Erkrankung in der Familie, denn der Pilz wird auch leicht von Mensch zu Mensch übertragen. Tietz erlebt es in seiner Praxis immer wieder, dass sich ganze Familien mit einer Pilzinfektion vorstellen, obwohl nur ein Mitglied - meist ein Kind - einen niedlichen Streuner gestreichelt hat. Den Tieren sei nicht anzusehen, ob sie den Erreger mit sich schleppen.

Die Konsequenz ist für Tietz eindeutig: Hände weg von allen streunenden Katzen! Pilze bekommt man nicht, sondern man holt sie sich. Jedes Kind, das Kontakt mit einer infizierten Katze hat, wird krank. Denn die Haut von Kindern habe diesem aggressiven Pilz nichts entgegenzusetzen, so der niedergelassene Dermatologe.

Nach seinen Erkenntnissen sind auch hierzulande viele Hauskatzen von Microsporum canis befallen.

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