Ärzte Zeitung, 11.04.2011

Tuberkulin-Hauttest wird bei Erwachsenen gestrichen

Zentralkomitee für Tuberkulose rät zum Interferon-Gamma-Release-Assay

DRESDEN (gvg). Das Deutsche Zentralkomitee für Tuberkulose hat seine Screening-Empfehlungen geändert: Der Tuberkulin-Test bei Erwachsenen wird gestrichen. Mit dem Test wurden bisher Kontaktpersonen des Indexpatienten routinemäßig von Gesundheitsämtern gescreent.

Tuberkulin-Hauttest wird bei Erwachsenen gestrichen

Der Tuberkulin-Test war Jahrzehnte Screening-Standard.

© Friedel / Imago

Bisher sahen die DZK-Empfehlungen ein zweistufiges Screening-Schema vor, bei dem zunächst der Tuberkulin-Hauttest eingesetzt wurde. Zur Bestätigung erfolgte dann ein Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA).

Von dem zweistufigen Verfahren verabschiedet man sich jetzt, wie der DZK-Experte Privatdozent Roland Diel beim Pneumologenkongress in Dresden erläuterte: "Studien haben gezeigt, dass die Netto-Sensitivität dieses zweistufigen Ansatzes nur 61 Prozent beträgt."

Anders ausgedrückt: Vier von zehn infizierten Kontaktpersonen werden übersehen. In der neuen Empfehlung rückt der IGRA nun als alleiniger Screening-Test nach vorn. Das führe bei den aktuellen IGRA-Tests zu einer Sensitivität von rund 85 Prozent.

Die Spezifität des IGRA liegt bei über 97 Prozent. Die neue Empfehlung gilt für über 15-jährige Kontaktpersonen des Indexpatienten. Bei Kindern gebe es noch zu wenige Studien.

Die These, dass der IGRA auch hier besser sei als der Tuberkulin-Hauttest, können durch Daten noch nicht abgesichert werden. Speziell bei Kindern unter 5 Jahren gebe für den IGRA bisher gar keine Studien, so Diel.

Der IGRA ist deutlich teurer als der Tuberkulin-Hauttest. Wenn die Vorauswahl der zu screenenden Kontaktpersonen allerdings sorgfältig gemacht wird, muss der Umstieg nicht zwangsläufig zu höheren Kosten führen. Weil er einfach und billig ist, wird der Tuberkulin-Hauttest derzeit nämlich eher zu oft angewandt.

"Bei einem sputumpositiven Indexpatienten müssen nur jene Kontaktpersonen gescreent werden, die mindestens acht Stunden mit dem Indexpatienten in einem Raum verbracht haben", betonte Diel. Ist das Sputum negativ, steige diese Schwelle sogar auf vierzig Stunden.

[12.04.2011, 16:12:50]
Dr. Andreas Gerritzen 
Ambulante Kassenpatienten bleiben leider außen vor
Die Entscheidung des DZK ist logisch und gut begründet. Die hohe Qualität und Aussagekraft der IGRA-Tests wurde in sehr vielen wissenschaftlichen und klinischen Studien belegt. Sie führte auch zu den "Empfehlungen für das Tuberkulose-Screening vor Gabe von TNF-alpha-Inhibitoren bei rheumatischen Erkrankungen", die bereits im Juni 2009 gemeinsam vom DZK und der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie publiziert wurden. Erst seit dem 1. 1. 2011 können IGRA-Tests überhaupt als Kassenleistung angefordert werden, aber nur...

"bei Patienten

- mit chronisch-entzündlichen, immunmodulierenden Erkrankungen vor der Erstgabe von TNF-alpha-Inhibitoren
- mit einer HIV-Infektion nur vor einer Therapieentscheidung einer behandlungs bedürftigen Infektion mit Mycobacterium-tuberculosis-complex (außer BCG)
- vor Einleitung einer Dialysebehandlung bei chronischer Niereninsuffizienz
- vor Durchführung einer Organtransplantation (Niere, Herz, Lunge, Leber, Pankreas)."

Der Test ist als ambulante Kassenleistung weder als Screening bei Krankheitsverdacht noch zur Umgebungsuntersuchung von Kontaktpersonen statthaft. Für diese Fälle muß man weiterhin auf den schlechteren Hauttest zurückgreifen - oder der Patient wird zum Sebstzahler.

Dr. med. Andreas Gerritzen
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