Ärzte Zeitung online, 21.02.2013

Arbeitsmedizin

Stress kein Krebsrisiko

Stress kein Risikofaktor für Krebs

K.o. im Job?

© iStock / Steve Debenport

HELSINKI. Stress im Beruf geht nicht mit einem höheren Risiko einher, an Krebs zu erkranken. Das hat eine Metaanalyse von zwölf europäischen Kohortenstudien ergeben.

"Wir fanden keine Beweise dafür, dass die Belastung am Arbeitsplatz mit dem Krebsrisiko insgesamt oder der Gefahr verbunden ist, an Kolorektal-, Lungen-, Brust- oder Prostatakrebs zu erkranken."

So lautet das bündige Fazit einer Metaanalyse, für die eine Arbeitsgruppe um die Arbeitsmedizinerin Katarina Heikel (Helsinki) zwölf Studien aus sechs Ländern (Finnland, Frankreich, Niederlande, Schweden, Dänemark, Großbritannien) zu diesem Thema mit rund 116.000 Probanden (knapp 54 Prozent davon Frauen) ausgewertet hatte.

Die Daten stammten aus den Jahren 1985 bis 2008. Der durchschnittliche Follow-up hatte zwölf Jahre betragen. Angaben lagen vor zum Alter der Probanden, ihrem Geschlecht, dem sozioökonomischen Status, dem Body-Mass-Index, dem Tabak- sowie Alkoholkonsum, zur Krebsinzidenz - und eben zum Stress im Job.

Dabei wurden vier Kategorien unterschieden: Arbeitsplatz mit hohem Stressniveau (hohe Anforderungen, wenig Handlungsspielraum), aktiver Job (hohe Anforderungen, viel Spielraum), passiver Job (geringe Anforderungen, wenig Spielraum), Arbeitsplatz mit niedrigem Stressniveau (geringe Anforderungen, viel Spielraum).

Fünf Prozent der Studienteilnehmer erkrankten während des Beobachtungszeitraums an Krebs. Darmkrebs entwickelten 0,5 Prozent, Lungenkrebs 0,3, Brustkrebs 0,9 und Prostatakrebs 0,7 Prozent.

Ein Zusammenhang mit einer der Stress-Kategorien war nicht zu erkennen, weder für das Gesamtrisiko noch bezogen auf die genannten Tumorentitäten (BMJ 2013; 346: f165).

Damit ist es laut den Forschern unwahrscheinlich, dass die berufliche Belastung einen wichtigen Risikofaktor für die Krebsentstehung darstellt - im Gegensatz etwa zur Gefahr, eine koronare Herzkrankheit oder eine Depression zu entwickeln.

Andere, nicht mit der Arbeit verbundene Formen von Stress - etwa hervorgerufen durch Schicksalsschläge - könnten das Krebsrisiko aber dennoch erhöhen.

In der vorliegenden Metaanalyse ist dieser Zusammenhang nicht untersucht worden. Frühere Studien hatten allerdings tatsächlich entsprechende Hinweise geliefert. (rb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Bekommen Kinder O-Beine durch Sport?

Zu O-Beinen neigen offenbar viele Kinder, die bestimmte Sportarten betreiben. Dabei wirkt die einseitige Druckbelastung im Knie als Wachstumsbremse, vermuten Forscher. mehr »

Neue Leitlinie zum Kopfschmerz durch Schmerzmittel-Übergebrauch

Schmerzmittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und chronifizieren - wenn man sie zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert einnimmt. Eine neue Leitlinie zeigt auf, wie Ärzte solchen Patienten helfen können. mehr »

Nicht nur zu viel LDL-C ist schädlich

Atherosklerose entsteht offenbar nicht nur, wenn zu viel LDL-Cholesterin im Blut zirkuliert. Der Aufbau der Partikel scheint ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen – und hier lässt sich therapeutisch eingreifen, wie Wissenschaftler zeigen. mehr »