Ärzte Zeitung, 27.01.2015

Genetik

Antikörper-RNA Komplexe hemmen Krebswachstum

HALLE/SAALE. Aus der Genomforschung gibt es Ansätze, um mit RNA-Molekülen Gene an- bzw. auszuschalten. Forschern ist es nun gelungen, dieses System für eine gezielte Therapie nutzbar zu machen, meldet die Uniklinik Halle.

Hierbei werden die kleinen RNA-Moleküle mit spezifischen Antikörpern verbunden, die die Krebszellen erkennen können (Clin Cancer Res 2015; online 14. Januar).

Nach Aufnahme der Antikörper in die Krebszelle werden die RNA-Moleküle frei, hemmen die Zielgene und so die Vermehrung der Zelle.

"Die besondere Bedeutung dieser Entwicklung liegt in der Möglichkeit, dass für jedes beliebige Gen und somit auch für weitere Krebserkrankungen dieser therapeutische Ansatz verwendet werden kann", wird Professor Müller-Tidow von der halleschen Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV in einer Mitteilung zitiert.

Die Forscher haben bei Versuchen im Labor eine hemmende kleine RNA (RNAi) an einen Antikörper gegen einen häufig auf Darmkrebszellen vorhandenen Rezeptor EGFR gekoppelt.

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass dieser Antikörper zwar vielen Patienten hilft, bei einigen Patienten unwirksam ist. Die Unwirksamkeit beruht auf einer Mutation in einem Gen, RAS, dass die Erkrankung mit auslöst.

"Durch Kopplung der kleinen RNA an den Antikörper konnten wir zeigen, dass das veränderte, mutierte, RAS-Gen herunter reguliert werden kann und das Wachstum von Darmkrebszellen massiv vermindert wird.", so Müller-Tidow.

Diese Entdeckung zeige, dass es möglich sei, RNA-Moleküle zur Therapie einzusetzen. Da Antikörper wie Anti-IGFR-Antikörper bereits bei Patienten mit Krebserkrankungen eingesetzt werden, hoffen die Forscher, dass diese Weiterentwicklung auch rasch in klinischen Studien eingesetzt werden kann. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »