Ärzte Zeitung online, 12.10.2016

Internetportal

Wie gefährlich ist alternative Krebsmedizin?

BERLIN. Einige Heilpraktiker versprechen den Krebs mit sanften Methoden wirksam zu behandeln oder sogar zu heilen. Hier ist Vorsicht geboten, heißt es auf dem ONKO- Internetportal.

Mindestens drei Menschen starben, nachdem sie im "Biologischen Krebszentrum Bracht" Infusionen mit 3-Bromopyruvat (3-BP) erhalten haben, dessen Wirksamkeit sowie Verträglichkeit nicht systematisch in Studien am Menschen untersucht wurde.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den dort praktizierenden Heilpraktiker wegen fahrlässiger Tötung. Der Heilpraktiker aus dem "Biologischen Krebszentrum Bracht" bot Patienten mit einer Krebserkrankung für 9.900 € eine Therapie mit dem Glukoseblocker 3-BP an.

Die Idee dahinter klingt ebenso einfach wie plausibel – Zucker ist ein Energielieferant von Zellen, und Tumore benötigen für ihr Wachstum besonders viel davon.3-Bromopyruvat soll die Aufnahme von Zucker in den Zellen unterbinden und somit das Tumorwachstum hemmen.

Wirksamkeit kaum untersucht

Jedoch gibt es kaum Studien, die Verträglichkeit und Wirksamkeit des experimentellen Wirkstoffes am Menschen untersucht haben. Ob unerwünschte Nebenwirkungen der Substanz 3-BP tatsächlich für den Tod der betreffenden Patienten verantwortlich waren, bleibt abzuwarten – auch Verunreinigungen oder andere verabreichte Substanzen könnten hierfür verantwortlich sein.

Doch die Todesfälle sind Anlass genug, über eine Änderung des seit 1939 gültigen Heilpraktikergesetzes nachzudenken. Denn auch wenn Heilpraktiker keine verschreibungspflichtigen Medikamente verabreichen dürfen, so können sie dennoch Heilversuche mit unerprobten Substanzen durchführen, Injektionen setzen und Infusionen anlegen.

Dabei ist die so genannte "sanfte Medizin" – wie die Alternativmedizin sich auch gern selbst bezeichnet – nicht immer so harmlos. Zwar können komplementäre Methoden, zusätzlich zur Schulmedizin eingesetzt, in vielen Bereichen unterstützend wirken, jedoch besitzen auch sie Nebenwirkungen.

Klagen und mögliche Behandlungsfehler von Heilpraktikern werden in Deutschland nicht systematisch erfasst und es existiert auch kein Register, in dem Heilversuche gemeldet werden müssen. (eb)

Unter www.krebsgesellschaft.de befasst sich das ONKO-Internetportal ausführlich mit dem Thema und liefert Informationen und Tipps.

Topics
Schlagworte
Krebs (10854)
Onkologie (8243)
Alternativmedizin (374)
Organisationen
DKG (963)
Krankheiten
Krebs (5459)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

In Deutschland gibt es"weder Hölle noch Paradies"

Die Lebensumstände in Deutschland sind weitgehend gleichwertig - gemessen an 53 Indikatoren, die etwa Gesundheit, Arbeit und Freizeit berücksichtigen, so der "Deutschland-Report". mehr »

Wenn Welten aufeinandertreffen

Die urologische Versorgung in Ghana findet nur sehr eingeschränkt statt. Der Verein "Die Ärzte für Afrika" unterstützt sechs Kliniken vor Ort – eine Herzensangelegenheit. mehr »

Schlaganfall im Schlaf – Wann ist Thrombolyse möglich?

Liegt der Symptombeginn bei Schlagfall einige Stunden zurück, kommt eine Thrombolyse eigentlich nicht infrage. Forschern ist es nun gelungen, Patienten für die Therapie auszuwählen, auch ohne den Zeitpunkt des Insults zu kennen. mehr »