Ärzte Zeitung online, 04.08.2017
 

Das NCT

Gemeinsam gegen Krebs

Molekulare Diagnostik, interdisziplinäre Therapieplanung und personalisierte Behandlung nach dem aktuellsten medizinischen Wissen: So sieht die optimale Krebsversorgung im 21. Jahrhundert aus. Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) setzt diese Vision in Deutschland beispielhaft um.

Von Dr. Friederike Fellenberg

Gemeinsam gegen Krebs

Im NCT sind Klinik und Forschung unter einem Dach vereinigt. Mehr als 15000 Patienten stellen sich pro Jahr hier vor.

© NCT/Adam Mork

In Deutschland sind es derzeit jährlich etwa 500.000 Menschen, die mit der Diagnose Krebs konfrontiert werden. Immerhin: Die Krebssterblichkeit in den Industrienationen geht zurück. Doch bei knapp der Hälfte der Krebspatienten gelingt es nicht, eine dauerhafte Heilung zu erreichen. Vor allem bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen stößt die Krebsmedizin häufig an Grenzen. Um auch diesen Patienten helfen zu können, muss das molekulare Verständnis von Krebs weiter ausgebaut werden.

Die Erkenntnisse dürfen allerdings nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft bleiben. Sie müssen mit Hilfe klinischer Forschung zu den Patienten gebracht werden. Diese "Translation" ist in Deutschland die Aufgabe der Onkologischen Spitzenzentren oder "Comprehensive Cancer Centers" (CCCs). Derzeit fördert die Deutsche Krebshilfe 15 dieser CCCs. Das NCT in Heidelberg ist eines davon. Mit ihrer klaren Orientierung auf die klinische Forschung und dem Bekenntnis zur internationalen Spitzenmedizin unterscheiden sie sich von den onkologischen "Tumorzentren" und den spezialisierten Organkrebszentren.

Das NCT Heidelberg wurde nach dem Vorbild der amerikanischen CCCs gemeinsam vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), vom Universitätsklinikum Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe aufgebaut. Klinik und Forschung sind hier unter einem Dach vereinigt und erlauben einen umfassenden fachübergreifenden Ansatz, der alle für die Krebsbekämpfung relevanten Aspekte berücksichtigt. "Das Konzept des NCT, interdisziplinäre Zusammenarbeit auch räumlich konsequent umzusetzen und auf den Patienten zu zentrieren, hat sich definitiv durchgesetzt", sagt Professor Christof von Kalle, Geschäftsführender Direktor des NCT Heidelberg.

Das NCT agiert als zentrales Eintrittsportal für alle onkologischen Patienten am Universitätsklinikum Heidelberg. In diesem modernen onkologischen Zentrum können neue Erkenntnisse aus der Forschung auf dem schnellstmöglichen Wege in innovative Verfahren der Diagnostik, Therapie und Prävention von Krebs umgesetzt und in klinische Studien eingebracht werden. Dadurch profitieren Patienten frühzeitig von neuen, ansonsten noch nicht verfügbaren Behandlungsansätzen.

In der interdisziplinären Tumorambulanz des NCT kommen Ärzte aller relevanten Fachdisziplinen zu Tumorkonferenzen zusammen und erarbeiten gemeinsam individuelle Therapiepläne. Krebspatienten am NCT sind eingebettet in Versorgungsnetzwerke, in denen moderne Qualitätssicherungssysteme dafür sorgen, dass neben der interdisziplinären Akuttherapie auch Nachsorge, psychoonkologische Betreuung und palliative Versorgung auf dem aktuellsten Stand des Wissens angeboten werden. "Durch kooperative Zusammenarbeit mit anderen Kliniken werden wir zum Vorbild für eine qualitativ hochwertige medizinische Onkologie", ergänzt Professor Dirk Jäger, Ärztlicher Direktor des NCT Heidelberg.

Und die Sichtbarkeit des NCT ist groß: Mehr als 15.000 Patienten stellen sich pro Jahr am NCT vor. Es kommen Patienten aus allen Bundesländern, ganz Europa und der Welt ans NCT. Seit 2015 geht die Erfolgsgeschichte des NCT nun auch in Dresden weiter. Ein zweiter Standort wird hier nach demselben Konzept wie in Heidelberg etabliert. Zum 1. April wurde Stefanie Speidel für den Bereich "Translationale Chirurgische Onkologie" als erste Professorin, die aus Geldern des NCT Dresden finanziert wird, nach Dresden berufen. Vier weitere NCT-Professoren sollen in diesem und im kommenden Jahr folgen.

Eine wichtige Säule des NCT sind die vielfältigen Kooperationen in akademischen Netzwerken, mit Industriepartnern und in Konsortien. Das NCT stand Pate für die Konzeption des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Auf internationaler Ebene haben sich das DKFZ und das NCT mit dem Cancer Core Europe zusammengeschlossen. In dem europäischen Konsortium wollen sechs führende europäische Krebszentren über nationale Grenzen hinweg die Zusammenarbeit in der Krebsforschung und Krebsmedizin intensivieren.

Bestätigt werden die Erfolge des NCT durch die guten Ergebnisse externer Begutachtungen. Die Gutachter betonen unter anderem die hohe Rate an Patienten, die innerhalb von unabhängigen klinischen Studien versorgt werden. Auf diesen Lorbeeren ausruhen möchte sich freilich niemand. Im zweiten Jahrzehnt seines Bestehens soll das NCT über Deutschland hinaus zu einem international stärker sichtbaren Leuchtturm der Krebsversorgung ausgebaut werden.

Dieser Beitrag ist in der Beilage der "Ärzte Zeitung" vom 30.6.17 anlässlich des Symposiums "Innovations in Oncology" am DKFZ in Heidelberg erschienen.

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