Ärzte Zeitung, 13.10.2005

Erlotinib jetzt auch als Ersttherapie in der Prüfung

Wachstums-Rezeptor-Hemmer wird bei alten Patienten mit Lungen-Ca und mit schlechtem Allgemeinzustand getestet

FRANKFURT AM MAIN (ner). Der Wachstums-Rezeptor-Hemmer Erlotinib soll bei fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom jetzt auch zu einem frühen Krankheitszeitpunkt verwendet werden. Zugelassen ist Erlotinib als Tarceva® seit Mitte September EU-weit zur Zweitlinientherapie. Außerdem gibt es erste Erkenntnisse zur Therapie bei anderen Tumoren.

Röntgenbild der Lunge eines Patienten mit einem Rezidiv eines nicht-kleinzelligen Bronchial-Karzinoms im rechten Lungenflügel. Foto: Dr. Wolfgang Schütte, Halle

Bei zuvor chemotherapeutisch behandelten Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) verzögert der Hemmer des Rezeptors für EGF (epidermaler Wachstumsfaktor) Erlotinib als Zweit- oder Drittlinientherapie den Krankheitsverlauf.

Zudem verlängert er das Leben signifikant, mildert die Krankheitssymptome und steigert damit die Lebensqualität der Patienten. Dies hat zur Zulassung des Medikaments für diese Patienten geführt. Derzeit werde das Medikament aber auch als Ersttherapeutikum getestet, sagte Professor Martin Wolf vom Klinikum Kassel in Frankfurt am Main.

Getestet werde es zum Beispiel bei alten Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand, die eine Chemotherapie schlecht oder nicht mehr vertragen. Ihnen könne die Erlotinib-Monotherapie mit einer Tablette täglich (150 mg) nützen, so Wolf bei der Pressekonferenz des Unternehmens Hoffmann-La Roche.

Dazu lägen erste ermutigende Daten vor, etwa von 66 Patienten im Alter von durchschnittlich 75 Jahren. Bei ihnen konnte zu 60 Prozent eine partielle Remission oder eine Krankheitsstabilisierung erreicht werden. Die mittlere Überlebenszeit betrug elf Monate.

Eine Möglichkeit sei auch die Erhaltungstherapie mit dem EGF-Rezeptor-Blocker nach der initialen Chemotherapie, so Wolf. Die simultane Verordnung von Erlotinib mit der Kombinations-Chemotherapie hatte in Lungenkrebs-Studien allerdings keine Vorteile gebracht.

Außer bei Lungenkarzinomen wird der EGF-Rezeptor auch bei bösartigen Erkrankungen anderer Organe fehlreguliert, etwa Kopf-Hals-Tumoren, Hirn- oder Pankreastumoren. Dabei kann es sich um eine übermäßige Synthese des Rezeptors handeln und/oder eine permanente Signalabgabe, so daß die Proliferation bösartiger Zellen sowie deren Invasion und Metastasierung angeregt wird.

Bei Patienten mit Pankreaskarzinom, die eine ebenso schlechte Prognose haben wie Lungenkrebs-Patienten, hat die Kombination einer Chemotherapie mit Erlotinib nach Angaben von Professor Michael Thomas aus Heidelberg bereits zur Verlängerung der Überlebenszeiten geführt.

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