Ärzte Zeitung, 08.03.2012

Offene Beine sind ein Hautkrebsrisiko

Bei vielen chronischen Geschwüren an den Beinen steckt Hautkrebs dahinter. Das zeigt eine französische Studie.

Von Robert Bublak

Offene Beine sind ein Hautkrebsrisiko

Ulcus cruris venosum in der Knöchelregion: Gefäßbedingte chronische Beinulzera können maligne entarten, manche entpuppen sich gar als fehldiagnostizierte primäre Malignome.

© Dr. Hans Schulz, Bergkamen

PARIS. Den Prozentsatz bösartiger Veränderungen von Beingeschwüren haben Dermatologen von der Universität Paris in einer Studie mit 10,4 Prozent beziffert.

Die französischen Forscher hatten für die Studie 144 Patienten mit 154 chronischen Beingeschwüren rekrutiert (Arch Dermatol 2012; online 20. Februar) .

Alle Läsionen bestanden seit mindestens drei Monaten - im Mittel seit rund fünf Jahren - und zeigten trotz adäquater Therapie keine Heilungstendenzen.

Um die Häufigkeit von Hautkrebs im Wundgebiet zu bestimmen, entnahmen die Wissenschaftler Gewebeproben der Ränder und des Betts der Ulzera .

Hautkrebs fanden die Dermatologen in 16 (10,4 Prozent) der Beinulzera: neun Plattenepithel- und fünf Basalzellkarzinome, ein Leiomyosarkom und ein Melanom. Sechs der neun Plattenepithel- und eines der fünf Basalzellkarzinome bestanden seit mehr als fünf Jahren.

Routinemäßig biopsieren?

Zwei Basaliome und das Melanom hatten sich vor weniger als fünf Jahren entwickelt; bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie fälschlich als Beinulzera diagnostiziert worden waren .

Bei den sechs übrigen Tumoren ließ sich nicht eindeutig ausmachen, ob eine maligne Transformation eines Geschwürs stattgefunden hatte, etwa im Sinne eines Marjolin-Ulkus, oder ob es sich um einen ulzerierten Krebs handelte, der fälschlich als Beinulkus eingestuft worden war.

Abnorm exzessive Bildung von Granulationsgewebe war eines der Indizien, die signifikant häufig mit einer Hautkrebsdiagnose in einem Beinulkus assoziiert waren.

Die hohe Rate an Malignomen in Beingeschwüren, die in der vorliegenden Studie zu verzeichnen war, ist zwar möglicherweise durch die Selektion besonders schwerer Fälle bedingt, wie sie für eine Einrichtung der tertiären Versorgung typisch ist.

Dennoch raten die französischen Dermatologen, ernsthaft zu erwägen, ob nicht alle Wunden an den Beinen zu biopsieren wären, die nach dreimonatiger Therapie nicht heilen wollen.

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