Ärzte Zeitung online, 02.10.2013

Hautkrebs

Alte Patienten schlechter versorgt?

Melanom-Patienten im Alter über 70 haben schlechtere Überlebenschancen als jüngere. Liegt das an Tumorcharakteristika oder am Management der Krankheit? Französische Dermatologen sind dieser Frage nachgegangen.

Von Dagmar Kraus

Alte Patienten schlechter versorgt?

Melanome fallen bei Älteren meist im Rahmen einer allgemeinmedizinischen Untersuchung auf. Bei Jüngeren hingegen wird die Diagnose überwiegend von Dermatologen gestellt.

© Bristol-Myers Squibb

REIMS. Die Zahl der Melanom-Neuerkrankungen steigt seit 25 Jahren kontinuierlich an, speziell bei älteren Menschen. Doch nicht nur die Inzidenz ist bei Senioren höher, auch das Risiko, am Melanom zu sterben, steigt mit fortgeschrittenem Lebensalter.

Als klassische Faktoren für die schlechtere Prognose gelten die ungünstigeren Tumorcharakteristika bei Diagnose: Meist sind die Melanome dicker (Breslow-Dicke), weiter fortgeschritten und weisen einen höheren Mitose-Index auf.

Das hat kürzlich auch eine Erhebung aus Frankreich bestätigt. Dermatologen haben in den Daten von 1621 Melanom-Patienten nach altersspezifischen Unterschieden von Tumorcharakteristika und Melanom-Management gesucht (JAMA Dermatol 2013; online 14. August).

487 Patienten waren zum Zeitpunkt der Diagnose bereits über 70 Jahre alt. Bei ihnen waren die Tumoren im Vergleich zu Jüngeren häufiger an Kopf oder Nacken (29,4 vs. 8,4 Prozent) zu finden und als noduläre maligne Melanome, Lentigo-maligna-Melanome und akrolentiginöse Melanome histologisch charakterisiert worden.

Außerdem waren die Melanome im Durchschnitt dicker, öfter ulzeriert und weiter fortgeschritten (T3- und T4-Melanome: 36,7 Prozent der Senioren vs. 20,1 Prozent der Jüngeren).

Jüngere Patienten gehen oft direkt zum Dermatologen

Der Altersvergleich förderte aber auch Unterschiede in Diagnostik und Behandlung zutage. Bei Senioren fielen die Melanome meist im Rahmen einer allgemeinmedizinischen Untersuchung auf.

Bei den Jüngeren hingegen war die Diagnose überwiegend von Dermatologen gestellt worden, entweder im Rahmen des Hautkrebs-Screenings oder weil sich der Patient mit einem suspekten Hautmal direkt an den Hautarzt gewandt hatte.

Bei Senioren verging außerdem mehr Zeit bis zur endgültigen Exzision des Tumors (OR 1,4; p = 0,02). Während 31,2 Prozent der Über-70-Jährigen länger als sechs Wochen auf den Eingriff gewartet hatten, waren es nur 22,0 Prozent der Jungen. Schlechter schnitten die Senioren auch in puncto freie Schnittränder ab.

Nicht im Gesunden war der Tumor nur bei 5 Prozent der Jungen, aber immerhin bei 16,8 Prozent der Senioren entfernt worden. Ausschlaggebend dafür war neben Faktoren wie Tumorlokalisation an Kopf und Nacken und Breslow-Dicke über 2 mm auch das höhere Alter (OR 2,2).

Eine Sentinellymphknotenbiopsie (SLNB) erhielten 41,4 Prozent der jungen Patienten mit einer Breslow-Dicke über 1 mm, aber nur 23,3 Prozent der Senioren.

Bei der Behandlung setzten sich die altersspezifischen Unterschiede fort. Von den 407 Patienten mit einer Melanomdicke über 1,5 mm wurde mit jedem zweiten jüngeren Patienten (58,8 Prozent) über eine adjuvante Therapie gesprochen, aber nicht einmal mit jedem fünften Senior (18,9 Prozent).

"Früherkennung bei Senioren verbessern"

Ob Früherkennung, Diagnostik oder Therapie - in jeder Phase des Melanom-Managements entdeckten die Studienautoren altersspezifische Unterschiede.

Deren Bedeutung für das krankheitsspezifische Überleben könne aber, so die französischen Dermatologen, teils nur schwer eingeordnet werden.

Während die Tumorcharakteristika zweifelsohne die Prognose entscheidend beeinflussen, bleibe nach wie vor offen, ob krebszellfreie Schnittränder oder eine SNLB tatsächlich die Überlebenschancen verbessern. Auch der Nutzen der adjuvanten Therapie sei gemäß zweier Metaanalysen nur gering.

Außerdem stünden diese Resultate, so die Studienautoren, im Kontrast zu denen einer Untersuchung aus Deutschland von Livingstone E. (2011). Darin fanden sich keine altersspezifischen Unterschiede bei SLNB und adjuvanter Therapie.

Um das krankheitsspezifische Überleben älterer Patienten zu verbessern müsse, so die Forderung der Studienautoren, speziell bei Senioren ein stärkeres Augenmerk auf die Früherkennung gelegt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »