Ärzte Zeitung online, 07.02.2019

Universitätsmedizin Mainz

Mit Elektrochemotherapie Erfolg bei Hauttumoren

Bei fortgeschrittenen Hauttumoren ist an der Universitätsmedizin Mainz jetzt auch die Behandlung mit Elektrochemotherapie möglich.

MAINZ. Eine Möglichkeit zur lokalen Kontrolle inoperabler oder multipler Hauttumoren ist ja die Elektrochemotherapie (ECT). Sie wird jetzt auch an der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz genutzt. Die Vorgehensweise beinhaltet die intravenöse oder intratumorale Injektion eines Chemotherapeutikums – meist Bleomycin oder Cisplatin – gefolgt von einem kurzen Stromimpuls von hoher Intensität, der die Zellmembran vorübergehend für die Arzneistoffe durchlässig macht.

Dadurch gelange die Substanz in bis zu 5000-facher Konzentration in die Tumorzelle, teilt die Universitätsmedizin Mainz mit. Eine lokal herbeigeführte Gefäßverengung führe anschließend dazu, dass das Zytostatikum länger in den Tumorzellen verbleibt und umfassender wirkt.

„Durch die Hydrophilie beider Substanzen – Bleomycin oder Cisplatin – kommt es zu Interaktionen mit der Tumor-DNA, die den Zelltod herbeiführen“, wird Dr. Hadrian Schepler von der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz zitiert. So lässt sich potenziell eine weitere Tumorausbreitung verhindern oder die Tumormasse verkleinern. Eingesetzt wird die ECT bei inoperablen Hauttumoren, metastasierendem malignem Melanom, metastasierendem Mamma-Ca oder bei multiplen Tumoren der Haut.

Der Eingriff geschieht meist in Vollnarkose oder unter lokaler Betäubung bei kleineren Befunden, heißt es in der Mitteilung. Die ECT sei eine Alternative zu anderen lokalen Verfahren wie der Radiotherapie oder der Op, sofern sich durch diese keine ausreichende Tumorkontrolle erzielen lässt. Darüber hinaus komme das Verfahren zum Einsatz, wenn eine vorbestrahlte Region nicht mehr anderweitig behandelbar sei oder eine die Lebensqualität stark beeinflussende Operationen nicht vertretbar sei.

„Da es sich um einen rein lokalen Eingriff handelt, bleiben ergänzende oder unterstützende systemische Therapiemaßnahmen davon unberührt“, so Schepler. Die Verkleinerung großer oder multilokaler Tumormassen unterstütze neuesten Studien zufolge sogar die Wirkung von Systemtherapien gegen Krebs. Auch lassen sich mit der ECT Tumorblutungen stoppen oder abmildern sowie offene, oft unangenehm riechende und schmierig belegte Tumore eingrenzen, berichtet die Universitätsmedizin Mainz.

Die Nebenwirkungen dieses Verfahrens beschränkten sich meist auf anschließende muskelkaterartige Beschwerden, Übelkeit nach der Gabe von Cisplatin oder einem leichten Brennen an den behandelten Stellen. Schwerwiegende Nebenwirkungen seien nicht bekannt.

Insgesamt seien leichte Nebenwirkungen mit Rötungen und lokalen Schmerzen auch bei älteren, multimorbiden Patienten mit 3-4 Prozent als niedrig zu verzeichnen. Die Ergebnisse nach ECT seien vielversprechend, es seien Abheilungsraten von über 80 Prozent veröffentlicht. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Schmerzmittel per Drohne, Roboter auf Kassenkosten

Zur Eröffnung des Hauptstadtkongresses trafen blühende Phantasie, Extremforderungen und regulatorischer Pragmatismus aufeinander. mehr »

KI verbessert Screening auf Lungenkrebs

Künstliche Intelligenz – basierend auf deep learning – übertrifft offenbar Radiologen bei der Befundung von CT-Bildern zum Lungenkrebs-Screening. mehr »

Neue Arzneimittel – ein Wettlauf der Hochpreiser

Neu zugelassene Medikamente werden immer teurer. Das geht aus dem aktuellen AMNOG-Report der DAK-Gesundheit hervor. mehr »