Ärzte Zeitung online, 06.05.2019

Hautkrebs

Melanom-Inzidenz steigt vor allem bei über 60-Jährigen weiter

Die Inzidenz des Melanoms der Haut ist in Deutschland in den vergangenen Dekaden gestiegen. Dermatologen und Epidemiologen rechnen bis 2030 mit einem weiteren Anstieg, vor allem bei Menschen über 60 Jahren.

Von Peter Leiner

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Melanom: Berechnungen zufolge wird bis 2030 die Inzidenz bei Männern auf 44 bis 46, bei Frauen auf 38 bis 40 pro 100000 Einwohner steigen.

© Dr. Hans Schulz, Bergkamen

Studienergebnisse in Kürze

  • Die altersstandardisierte Hautmelanom-Inzidenz hat in Deutschland von 1999 bis 2012 um 55 Prozent zugenommen.
  • Die allgemeine Inzidenz hat um 77 Prozent zugenommen.
  • Die altersstandardisierte Mortalität ist stabil geblieben.
  • Die allgemeine Sterberate im Zusammenhang mit einer Melanomerkrankung ist um 58 Prozent bei Männern und um 30 Prozent bei Frauen gestiegen.

TÜBINGEN. Möglicherweise aufgrund von Verhaltensänderungen ist vor allem unter jüngeren Menschen in einigen Ländern wie Australien, Neuseeland, USA und Kanada die Melanominzidenz gesunken. In Deutschland hatte das Krebsscreeningprogramm von Schleswig-Holstein SCREEN (Skin Cancer Research to Provide Evidence for Effectiveness of screening in Northern Germany) 2003 und 2004 eine Reduktion der Sterberate aufgrund des Melanoms in den Jahren 2003 bis 2008 zutage gefördert. Nach dem Ende des Programms stieg die Rate jedoch wieder auf den Ausgangswert.

Krebsregisterdaten ausgewertet

In einer aktuellen Studie haben nun Wissenschaftler um den Dermatoonkologen Professor Claus Garbe von der Universität in Tübingen Inzidenz und Mortalität beim Melanom in Deutschland ermittelt (JEADV 2019; online 17. April). Dazu werteten sie die Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut in Berlin (1999–2012) sowie des Saarländischen Krebsregisters (1970–2012) aus.

Zur Beschreibung der epidemiologischen Entwicklung des Melanoms verwendeten die Wissenschaftler altersstandardisierte Inzidenz und Mortalität zur besseren Vergleichbarkeit sowie rohe bzw. allgemeine Inzidenz und Sterberaten. Aus den Daten geht hervor, dass in Gesamtdeutschland von 1999 bis 2012 die altersstandardisierte Inzidenz um 55 Prozent auf 19,2 pro 100.000 Einwohner zugenommen hat. Ebenfalls zugenommen hat die allgemeine Inzidenz, und zwar um 77 Prozent auf 26,0 pro 100.000.

Stabil geblieben sei hingegen die altersstandardisierte Mortalität. Sie liege bei Männern zwischen 2,4 und 2,8 und bei Frauen zwischen 1,5 und 1,7 pro 100.000. Die allgemeine Sterberate im Zusammenhang mit einer Melanomerkrankung sei um 58 Prozent auf 4,1 bei Männern und um 30 Prozent auf 3,0 bei Frauen – jeweils pro 100.000 Einwohner – gestiegen.

Für das Saarland wurden andere Werte, aber ebenso ein Anstieg zwischen 1970 und 2012 ermittelt. So stieg dort die altersstandardisierte Hautmelanominzidenz um mehr als das Dreifache auf 13,1 und die allgemeine Inzidenz um mehr als das Fünffache auf 18,5 pro 100.000.

Weniger stark war der Anstieg der altersstandardisierten Mortalität bei Männern bzw. Frauen auf 2,5 bzw. 1,6 pro 100.000. Die allgemeine Sterberate im Zusammenhang mit dem Melanom der Haut nahm bei Männern von 0,7 auf 3,9 und bei Frauen von 0,9 auf 3,2 pro 100.000 Einwohner zu. Die Wissenschaftler führen dies hauptsächlich auf einen starken Anstieg der allgemeinen Inzidenz und Mortalität in der Altersgruppe der über 60-Jährigen zurück.

Anstieg des Melanomrisikos

Die Projektionen für die Situation im Jahr 2030 haben Garbe und seine Kollegen auf Grundlage der verfügbaren Registerdaten mithilfe zweier unterschiedlicher mathematischer Modelle erstellt. Sie stützten sich auf das frei zugängliche Computerprogramm NORDPRED des norwegischen Krebsregisters.

Die Vorhersagen setzten voraus, dass die Bevölkerung kumulativ bereits so vielen UV-Strahlen ausgesetzt war, dass sich bis 2030 Hautmelanome entwickeln werden. Es wird geschätzt, dass die Latenzzeit zwischen Karzinogenbelastung und Krebsentwicklung normalerweise bei etwa 20 Jahren liegt.

Den Berechnungen zufolge wird die allgemeine Inzidenz bei Männern auf 44–46 und bei Frauen auf 38–40 pro 100.000 Einwohner steigen, mit dem stärksten Anstieg in der Gruppe der über 60 Jahre alten Menschen, vor allem bei Männern.

Weniger stark ausgeprägt sein wird er bei Menschen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren. Dagegen werde sich die allgemeine Inzidenz von Hautmelanomen bei den jüngeren Menschen bis 2030 stabilisieren, so die Wissenschaftler.

Bei der demografischen Entwicklung in Deutschland mit steigender Lebenserwartung sei mit einem weiteren Anstieg des Melanomrisikos zu rechnen. Zwar werde bis 2050 die Bevölkerung Deutschlands auf 68,7 Millionen Einwohner sinken, doch werde der Anteil der über 80-Jährigen um 15 Prozent steigen.

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