Ärzte Zeitung online, 01.08.2017
 

Niedergelassene Magen-Darm-Ärzte

bng-Initiative "Familiärer Darmkrebs"

Verwandte von Darmkrebspatienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken. Die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte wollen diese Risikogruppe mit ihrer Initiative "Familiärer Darmkrebs" früh erreichen, um sie verstärkt zur Darmkrebs- Vorsorge zu motivieren.

Von Dr. Holger Böhm

bng-Initiative „Familiärer Darmkrebs“

Familiäres Krebsrisiko im Fokus: Der bng fordert Darmkrebspatienten auf, ihren Angehörigen die Vorsorge ans Herz zu legen.

© Yuri Arcurs - Fotolia

"Darmkrebs kommt in circa 25 Prozent der Fälle familiär gehäuft vor", konstatiert der Projektleiter der Initiative vom Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng), Privatdozent Dr. Christoph Schmidt. "Studien haben gezeigt, dass eine gezielte Beratung geeignet ist, die erstgradig Verwandten von Darmkrebspatienten zur Inanspruchnahme von Vorsorgemaßnahmen zu motivieren, um das eigene Erkrankungsrisiko zu reduzieren. Der Zugang zu dieser Personengruppe kann nur über den an Darmkrebs erkrankten Patienten erfolgen. Mit unserer Initiative appellieren wir an dessen Verantwortung gegenüber nahen Angehörigen und fordern ihn auf, diese zu informieren und ihnen die Wahrnehmung der Vorsorge ans Herz zu legen."

Im Rahmen der bng-Initiative "Familiärer Darmkrebs" soll eine strukturierte Beratung von Darmkrebspatienten in möglichst vielen Praxen implementiert werden. Für diese Aufgabe sind niedergelassene Gastroenterologen besonders prädestiniert, da sie häufig die Nachsorge übernehmen und deshalb engen Kontakt zu ihren Darmkrebspatienten pflegen. Darüber hinaus fällt die ambulante Vorsorgekoloskopie in ihren Aufgabenbereich.

Auf Augenhöhe kommunizieren

"Grundsätzlich ist die Beratung eine ärztliche Aufgabe", sagt Dr. Schmidt, "aber aus Erfahrungen wissen wir, dass sich die Akzeptanz bei den Patienten erhöht, wenn die Aufklärungsarbeit von geschultem kompetentem medizinischem Assistenzpersonal unterstützt wird."

Medizinische Fachangestellte (MFAs) können Aufklärungsgespräche teilweise mit besserem Erfolg durchführen als Ärzte, weil sie mit den Patienten auf "Augenhöhe" kommunizieren und mehr Zeit darauf verwenden können, auf Bedenken, Fragen und Zweifel einzugehen. Voraussetzung ist eine entsprechende Qualifizierung des Praxispersonals.

Standardisierte Pfade

Die Beratung soll in fünf Phasen ablaufen:

- Die Patienten werden zu einem ausführlichen, strukturierten Beratungsgespräch eingeladen, das etwa vier bis sechs Wochen nach der Ersttherapie erfolgen soll.

- Die Patienten werden ausführlich informiert und erhalten Informationsmaterial, etwa Flyer oder Musterbrief. Dabei wird die Familienanamnese erfasst, um Hochrisikogruppen, wie Patienten mit hereditärem nicht-Polyposis-assoziiertem kolorektalem Karzinom (HNPCC), zu identifizieren.

- Der Patient sollte daraufhin seine Verwandten informieren und aufklären.

- Nach einigen Wochen wird erneut Kontakt mit dem Patienten aufgenommen. Bei Bedarf wird eine Zweitberatung angeboten. Verwandte, die sich zu der Beratung melden, werden ausführlich über die für sie sinnvollen Vorsorgemaßnahmen informiert.

- Nach drei Monaten werden von der Beraterin die Ergebnisse der Beratung erfasst. Die Evaluation erfolgt dann über eine online gestützte Dokumentation in einer nationalen Datenbank.

Organisierte Mitarbeiterschulung

Die regional organisierte, für bng-Mitglieder kostenfreie Schulung der medizinischen Fachangestellten umfasst neben der Vermittlung des erforderlichen Fachwissens, die Ausbildung in Beratungsstrategien, Gesprächsführung und Kommunikationstechniken. Erfahrungen in der gastroenterologischen Endoskopie werden vorausgesetzt. Die Ausbildungsinhalte sind in einem Curriculum festgelegt und werden geprüft und zertifiziert. Der Berufsverband stellt Hilfsmittel, wie Flyer, einen Musterbrief für die Patienten, Fragenkataloge und Checklisten zur Unterstützung der Beratungstätigkeit zur Verfügung.

Bis Ende Juli 2017 sollen die ersten Schulungen zur Qualifizierung von Praxismitarbeitern/innen abgeschlossen sein. Bis Mitte des Jahres soll ein Beirat implementiert werden, der die weitere Projektentwicklung unterstützend begleitet. Erste Erfahrungen mit der Umsetzung des Projektes werden für Herbst erwartet, so dass die Pilotphase voraussichtlich Ende 2017 abgeschlossen werden kann. Es ist dann vorgesehen, weitere Praxen in das Projekt einzuschließen, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen.

Dieser Beitrag ist in der Beilage der "Ärzte Zeitung" vom 30.6.17 anlässlich des Symposiums "Innovations in Oncology" am DKFZ in Heidelberg erschienen.

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