Ärzte Zeitung, 07.09.2009

Kommentar

Krebs taugt nicht als Argument

Von Thomas Müller

Es gibt viele gute Argumente, die gegen Atomkraft sprechen, etwa die ungeklärte Lagerung von Jahrtausende lang strahlendem Müll oder die Gefahr eines Super-GAU mit Millionen Betroffenen. Kein gutes Argument sind jedoch die erhöhten Krebsraten in der Nähe von normal arbeitenden Atommeiler, denn wer damit argumentiert, verstrickt sich schnell in Widersprüche und Halbwahrheiten.

So gibt es zwar kaum noch Zweifel, dass besonders die Leukämierate in der Nähe der Anlagen erhöht ist, allerdings ist der Unterschied im Vergleich zur Regionen ohne AKW in absoluten Zahlen relativ gering. 1,2 Krebserkrankungen pro Jahr mehr als erwartet bei Kindern in ganz Deutschland klingt nun mal schon weit weniger dramatisch wie eine Erhöhung der Leukämierate um 20 oder gar 120 Prozent.

Hinzu kommt der eigentliche Knackpunkt: Es gibt keinen Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang. Vielleicht lässt sich die erhöhte Krebsrate auch damit erklären, das AKW meist in ländlichen Gebieten liegen, in denen Bauern mehr Pestizide versprühen - auch das wurde schon ernsthaft diskutiert. Vielleicht ist die Krebsrate auch um andere industrielle Großanlagen erhöht - das hat noch niemand genau untersucht.

Sicher, man kann endlos weitere Studien fordern, um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, man kann aber auch darauf setzen, dass die anderen Argumente stark genug sind, um den geplanten Atomausstieg tatsächlich zu realisieren.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Öfter Krebs in der Nähe von Atommeilern - die Gründe dafür bleiben weiter im Dunkel

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