Forschung und Praxis, 02.05.2006

Bereicherung der Hormontherapie bei Brustkrebs

Der Östrogenrezeptor-Antagonist Fulvestrant erweitert das Spektrum der anti-hormonellen Therapiemöglichkeiten von Frauen nach einer adjuvanten Anti-Hormontherapie, die in der Postmenopause sind und ein Hormonrezeptor-positives Mamma-Ca haben.

Wegen der spezifischen Wirkungsweise - Fulvestrant (Faslodex®) verringert die Zahl der Östrogenrezeptoren - ergebe sich eine weitere Option in der anti-hormonellen Therapiesequenz, und zwar bevor weitere Hormon- oder Chemotherapien begonnen werden, sagte Professor Kurt Possinger aus Berlin. Da keine Kreuzresistenz mit anderen anti-hormonellen Therapien bestehe, wirke Fulvestrant auch noch als Drittlinien-Therapie. Aber je früher die Substanz eingesetzt werde, um so höher sei die Wirksamkeit.

Breites Anwendungsgebiet für den Östrogenrezeptor-Antagonisten

Den zukünftigen Stellenwert von Fulvestrant sieht Possinger sehr früh innerhalb der palliativen antihormonellen Therapiesequenz nach Versagen einer initialen adjuvanten Anti-Östrogen-Therapie. So könnte Fulvestrant - wie zugelassen - nach der adjuvanten Therapie mit Tamoxifen folgen, danach die nicht-steroidalen Aromatasehemmer (AI) Anastrozol (Arimidex®) oder Letrozol und dann der steroidale AI Exemestan, gefolgt von Gestagenen.

Eine andere Möglichkeit sei der Einsatz nach einer adjuvanten Therapie mit nicht-steroidalen AIs, allerdings als Off-Label-Use. In diesem Fall empfahl Possinger, Fulvestrant in Kombination mit einem AI zu geben, da es theoretisch nach Weglassen des AI zu einem Wachstumsschub des Tumors kommen könnte; diese Hypothese wird zur Zeit in Studien geprüft. Danach könnte Tamoxifen folgen, dann Exemestan und danach Gestagene.

Fulvestrant gehöre auch früh in die Behandlungskonzepte, weil die Substanz relativ wenig unerwünschte Wirkungen verursache, betonte Possinger auf einer Veranstaltung des Unternehmens AstraZeneca in Berlin. So ruft die Substanz zum Beispiel weniger Hitzewallungen hervor als Tamoxifen und verursacht weniger Gelenkbeschwerden als Anastrozol. (awa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »