Untersuchung zeigt

Viele Ärzte sind Vorsorgemuffel

Viele Ärzte neigen offenbar dazu, ihre eigene Gesundheit zu vernachlässigen. Vor allem Brustkrebs wird oft später erkannt als bei Nicht-Medizinerinnen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Viele Ärztinnen lassen die Brustkrebs-Vorsorge offenbar schleifen, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Viele Ärztinnen lassen die Brustkrebs-Vorsorge offenbar schleifen, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

© detailblick / fotolia.com

TAICHUNG/TAIWAN. Glaubt man den Ergebnissen einiger Studien, tendieren viele Ärzte dazu, ihre eigene Gesundheit zu vernachlässigen. Auf der anderen Seite kann das Fachwissen Ärzten helfen, Krankheiten bei sich selbst besser und früher zu erkennen oder zumindest bei entsprechenden Beschwerden schnell den richtigen Kollegen aufzusuchen.

Zwei Datenbanken durchforstet

Ob dadurch unterm Strich eine Krebsdiagnose früher erfolgt oder nicht, haben nun chinesische Forscher aus Taiwan untersucht. Das Team um Dr. Yueh-Han Hsu von der China Medical University in Taichung/Taiwan; durchforstete zwei nationale Krebsdatenbanken nach den sechs häufigsten Tumordiagnosen auf der Insel (CMAJ 2015; online 20. Juli).

Dazu zählen Wucherungen in Lunge, Darm, Leber, Mund- und Speiseröhre sowie in der weiblichen Brust und im Gebärmutterhals.

An solchen Tumoren erkrankten zwischen den Jahren 1999 und 2012 insgesamt 542 Ärzte. Jedem der Ärzte stellten sie nun fünf Nichtmediziner mit gleichem Geschlecht, Alter und Wohnort und ähnlichem Einkommen gegenüber (propensity score matching).

Ähnliche Krebsstadien bei Diagnose

Wie sich zeigte, gab es in der Summe keine großen Unterschiede bei den Krebsstadien zum Zeitpunkt der Diagnose: Knapp neun Prozent der Ärzte hatten einen Stadium-0-Tumor, die übrigen Ärzte verteilten sich fast gleichmäßig auf die anderen Stadien; signifikante Unterschiede zu Nichtmedizinern wurden dabei nicht beobachtet.

Stadium-IV-Tumoren kamen bei Ärzten zwar tendenziell etwas häufiger vor, der Unterschied zu Nicht-Medizinern war allerdings nicht signifikant. Auch eine Stratifizierung nach Wohnort, Geschlecht oder Einkommen der Studienteilnehmer ergab keine wesentlichen Differenzen.

Ärzte in sehr ländlichen Gebieten scheinen bei der Diagnose aber seltener einen Stadium-IV-Tumor zu haben als der Rest der dortigen Bevölkerung (16 versus 25 Prozent), allerdings war auch dieser Unterschied statistisch nicht signifikant.

Deutliche Unterschiede fanden die Gesundheitsforscher lediglich bei Frauen-bezogenen Tumoren. So stellten sie bei Ärztinnen zum Diagnosezeitpunkt etwa zweieinhalbfach häufiger ein metastasiertes Brust- oder Zervixkarzinom fest als bei Frauen ohne Approbation.

Ärztinnen nutzen Vorsorge selten

Zwar gibt es in Taiwan seit dem Jahre 1995 ein Screeningprogramm auf Zervixkarzinome, dies wird offenkundig von Ärztinnen selbst aber kaum in Anspruch genommen.

Nach Umfragen nehmen außerdem nur rund zwölf Prozent des weiblichen Medizinpersonals an Mammografie-Untersuchungen teil, nur jede Zehnte geht regelmäßig zu den wichtigsten Krebsvorsorgeuntersuchungen, berichten die taiwanesischen Wissenschaftler um Hsu.

Auch in anderen Ländern sind Ärzte häufig Vorsorgemuffel. So haben Umfragen ergeben, dass zwar 60 Prozent der israelischen Hausärzte die Vorsorge empfehlen, aber nur jeder vierte selbst daran teilnimmt.

Und Studien in Kanada haben gezeigt, dass 40 Prozent der Ärzte und Ärztinnen in den vergangenen fünf Jahren keine Prostata- beziehungsweise Brustkrebsuntersuchung bei sich selbst haben machen lassen, wie die chinesischen Forscher berichten.

Über die Gründe für dieses Verhalten lässt sich nur spekulieren: Möglicherweise ist die hohe Arbeitsbelastung bei Ärzten eine Ursache für solche Nachlässigkeiten. Allerdings wäre dann zu erwarten, dass auch andere Berufsgruppen mit einem vergleichbaren Einkommen kaum Zeit für die Vorsorge finden.

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