Ärzte Zeitung online, 03.01.2017
 

Adipositas-Paradoxon

Adipositas bei Nierenkrebs: bessere Überlebenschance

Ein erhöhter Body-Mass-Index stellt für viele Krankheitsbilder einen Risikofaktor dar. Bei Patienten mit Nierenzell-Ca scheint ein BMI über 30 kg/m2 das Gesamtüberleben allerdings positiv zu beeinflussen.

Von Julia Rustemeier

LOS ANGELES. Der Einfluss des Body-Mass-Index (BMI) bei Patienten mit Nierenzellkarzinom (renal cell carcinoma, RCC) steht schon seit Jahren im Fokus von Studien. Einerseits deuten Fall-Kontroll-Studien darauf hin, dass Adipositas das Risiko eines RCC erhöht, andererseits legen retrospektive Analysen nahe, dass Übergewicht die Überlebenschancen verbessert.

Eine prospektive Studie aus den USA bestätigt nun den Überlebensvorteil von RCC-Patienten mit einem BMI über 30 kg/m2 (Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2016; 25(9):1326-1332)

Daten von 845 Patienten analysiert

In der ARISER-Studie zur adjuvanten Therapie mit dem chimären monoklonalen Antikörper Girentuximab bei nephrektomierten RCC-Patienten mit hohem Rezidivrisiko wurden die Daten von 845 Patienten aus 14 Ländern erhoben. 67 Prozent der Teilnehmer waren männlich, das durchschnittliche Alter lag bei 58 Jahren, der mediane BMI bei 27,4 kg/m2 und das mediane Follow-up betrug 54 Monate. 84 Prozent der Patienten hatten nach TNM-Klassifikation ein RCC der Stadien T3/T4.

Untersucht wurden der Lymphknotenbefall, das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben der Patienten in Relation zu ihrem BMI. Referenz waren Patienten mit einem BMI unter 25 kg/m2.

Lymphknoten seltener befallen

Mit steigendem BMI reduzierte sich der Anteil der RCC-Patienten mit befallenen Lymphknoten. Bei Patienten mit einem BMI-Wert über 30 kg/m2 war das Risiko eines Lymphknotenbefalls signifikant geringer als bei Patienten mit normalem BMI.

Die Kaplan-Meier-Analyse ergab außerdem, dass sich sowohl das krankheitsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben mit zunehmendem BMI-Wert signifikant verbesserte. Die multivariate Analyse, in die Variablen wie Alter, Geschlecht, Herkunft, T- und N-Status einflossen, ergab für höheren BMI eine Tendenz zu verbessertem krankheitsfreiem Überleben (BMI 30–35 kg/m2: Hazard Ratio [HR] für Rezidiv 0,77, BMI > 35 kg/m2: HR 0,74). Allgemein war das Sterberisiko der übergewichtigen RCC-Patienten signifikant reduziert: Die HR für Mortalität für Patienten mit einem BMI von 30–35 kg/m2 lag bei 0,50 und bei einem BMI über 35 kg/m2 bei 0,24.

Sind erhöhte Zytokinspiegel von Bedeutung?

Ob die paradoxe Korrelation zwischen Übergewicht und einer verbesserten Überlebenschance bei RCC-Patienten tatsächlich auf den BMI selbst oder doch auf die individuelle Konstitution der Patienten zurückzuführen ist, bleibt unklar.

Eine chronische Entzündung mit erhöhtem Zytokin-Level, ausgelöst durch Übergewicht, könnte einen Antitumoreffekt haben. Molekulare Analysen des RCC und der Tumor-Wirt-Interaktion in Patienten mit unterschiedlicher Konstitution könnten helfen, das "Adipositas-Paradoxon" zu verstehen.

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