Ärzte Zeitung, 28.11.2005

Anti-Androgen verbessert Prognose bei Prostata-Karzinom

Bicalutamid verzögert Zeit bis zur Tumorprogression / Studie bei 8000 Männern mit lokal begrenztem und lokal fortgeschrittenem Prostata-Ca

MAINZ (ner). Für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom steht jetzt außer der medikamentösen Kastration eine weitere endokrine Therapie zur Verfügung, um die Prognose zu bessern. Wird nach einer Bestrahlung mit dem Anti-Androgen Bicalutamid (Casodex®) behandelt, sinkt das Risiko, innerhalb von sieben Jahren zu sterben, im Vergleich zu Placebo um mehr als ein Drittel.

Transrektales Ultraschallbild bei einem Patienten mit einem Prostata-Karzinoms im rechten Prostata-Lappen. Foto: Hofmann / von Knobloch

Das ist ein Ergebnis der aktuellen Zwischenauswertung des EPC-Programms (Early Prostate Cancer), der mit mehr als 8000 Teilnehmern bislang größten Therapiestudie beim lokal begrenzten und lokal fortgeschrittenen Prostata-Karzinom.

Die Patienten waren primär radikal operiert oder bestrahlt worden. Dann hatten sie 150 mg Bicalutamid pro Tag oder Placebo erhalten. Eine dritte Gruppe (watchful waiting) hatte ohne Vortherapie das Antiandrogen oder Placebo bekommen.

7,4 Jahre nach Beginn der Therapie seien insgesamt 23 Prozent der Karzinompatienten gestorben, sagte Professor Manfred Wirth aus Dresden bei einer Veranstaltung des Unternehmens AstraZeneca in Mainz. Unabhängig von der angewandten Primärtherapie verlängerte sich mit Bicalutamid die Zeit bis zur Progression der Erkrankung bei den Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom.

Und zwar sank das Progressionsrisiko im Vergleich zu Placebo bei den operierten Patienten um 25 Prozent, bei den bestrahlten um 44 Prozent und in der Watchful-waiting-Gruppe um 40 Prozent.

Eine signifikante Verlängerung der Lebenszeit mit Bicalutamid ergab sich nur bei den bestrahlten Patienten, nämlich um 35 Prozent. Daraus könne man jedoch keine Vorteile der Bestrahlung im Vergleich zur Prostatektomie ableiten, sagte Wirth.

In der Watchful-waiting-Gruppe gab es einen Trend zu einer verbesserten Überlebensrate unter Bicalutamid. Bei lokal begrenztem Prostata-Karzinom hat das Antiandrogen keinen klinischen Nutzen.

Wirth betonte die gute Verträglichkeit von Bicalutamid im Vergleich zur Therapie mit LHRH-Analoga. Typische unerwünschte Wirkungen von Bicalutamid seien Gynäkomastie und Brustschmerzen.

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