Ärzte Zeitung online, 03.04.2014

Prostatakrebs

Computergestützte Ultraschall-Analyse spart Biopsien

Ergebnisse der transrektalen Ultraschall-Untersuchung werden mit der computergestützten "Artifiziellen Neuronalen NetzwerkAnalyse" ausgewertet: Das System vergleicht aktuelle Ultraschallbilder mit Befunden von bereits erkanntem Prostata-Ca.

BONN. Die computergestützte Ultraschall-Analyse ANNA/C-TRUS kann Männern mit Verdacht auf Prostata-Ca viele Biopsien ersparen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) mit.

Das in Deutschland entwickelte System finde zunehmend auch im Ausland Beachtung: So werteten Urologen hierzulande digitale Ultraschallbilddaten von Kollegen aus China aus.

Bei erhöhten PSA-Werten werden zur weiteren Klärung meist zehn bis zwölf Biopsien gemacht und untersucht, erinnert die DEGUM.

"Das ist vergleichbar mit einem Lotteriespiel, bei dem es einem Hauptgewinn entspricht, wenn man einen Tumor in seiner größten Ausdehnung und an der Stelle seiner höchsten Aggressivität trifft", wird Professor Tillmann Loch zitiert, Chefarzt der Urologischen Klinik am Universitätslehrkrankenhaus DIAKO in Flensburg.

Das schlimmste Szenario sei, einen großen aggressiven Tumor nur am Rand zu treffen und dadurch fälschlicherweise zu glauben, es sei nur ein kleiner Tumor.

Statt sich auf den Zufall zu verlassen, plädiert der Experte dafür, gezielt die Regionen, in denen das Karzinom verborgen sein könnte, mit moderner Ultraschall-Untersuchung einzugrenzen.

Experte setzt auf TRUS

Loch, der bei der DEGUM die Sektion Urologie leitet, setzt hierbei auf die transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS). Deren Ergebnisse wertet er mit der computergestützten "Artifiziellen Neuronalen NetzwerkAnalyse" (ANNA /C-TRUS) aus: Das System vergleicht die aktuellen Ultraschallbilder mit Befunden von bereits erkanntem Prostatakrebs, die durch Pathologen bestätigt wurden.

"Unsere Datenbank enthält über 1000 Befunde", so Loch in der DEGUM-Mitteilung. Finden sich auf neuen Ultraschallbildern Ähnlichkeiten mit bereits gefundenem Krebs, markiert das Programm diese rot. Krebsverdächtige Areale können dann gezielt überprüft werden.

"Die gezielte Punktion der Verdachtsregionen erhöht die Trefferquote und senkt die Zahl der notwendigen Stanzbiopsien", sagt Loch. Auch Wiederholungen der für die Patienten schmerzhaften Untersuchungen ließen sich dadurch in vielen Fällen vermeiden.

Mittlerweile kann das Verfahren ANNA/C-TRUS online genutzt werden, teilt die DEGUM mit. "Teilnehmen können alle Urologen, deren Ultraschallgerät in der Lage ist, die Bilder digital zu speichern", so Loch.

Kollegen könnten die Bilder in das Analysezentrum schicken, wo der Computer dann die verdächtigen Regionen ermittelt. Die Ergebnisse werden den Ärzten digital übermittelt. Diese können dann die Biopsien vor Ort gezielt durchführen.

Anfragen aus dem Ausland haben Loch hierzu schon erreicht: Inzwischen werden in Flensburg auch Ultraschall-Daten aus China ausgewertet. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »