Ärzte Zeitung online, 22.08.2017
 

Prostatakrebs

Bluttest sagt Tumorresistenz vorher

Ein neues Verfahren gibt Hinweise auf den Therapieerfolg von Medikamenten gegen Prostatakrebs.

MÜNCHEN. Für Krebspatienten und ihre Ärzte ist es äußerst wichtig, möglichst früh zu wissen, ob eine Therapie anschlägt oder nicht. Genau diese Vorhersage können Forscher der Technischen Universität München (TUM) jetzt für schwerkranke Prostatakrebs-Patienten treffen – dank eines neuen Bluttests.

Um wachsen zu können, brauchen Tumorzellen bei Prostatakrebs das Hormon Testosteron. Sie haben dazu einen Rezeptor, an den das Hormon bindet und der dann der Zelle das Signal zum Wachsen und Teilen gibt. Zwar gibt es bereits Medikamente, beispielsweise Abirateron und Enzalutamid, die den Testosteron-Rezeptor blockieren. Doch leider entwickeln manche Tumorzellen Resistenzen. Dabei wird die Struktur des Rezeptors AR-V7 verändert. Fortan gibt dieser auch ohne Testosteron das Signal zur Zellteilung. Der Tumor wächst so ungestört weiter.

Der neue Bluttest der Münchner Forscher kann diesen veränderten Rezeptor laut eigener Mitteilung frühzeitig, zuverlässig und günstig messen und so erkennen, ob der Tumor resistent gegen Abirateron und Enzalutamid ist.

Bisherige Tests suchen nach Tumorzellen im Blut. Das ist zeitaufwendig und teuer, weil es dazu spezieller Geräte bedarf. Außerdem kann es sein, dass der Test die Zellen nicht findet.

Der neue Test geht stattdessen einen anderen Weg: Er analysiert die Menge von AR-V7 RNA-Molekülen im Blut. RNAs sorgen in Zellen unter anderem für die Umsetzung genetischer Informationen in Proteine wie zum Beispiel Rezeptoren. Ist im Blut viel AR-V7 RNA messbar, hat der Patient bereits resistente Zellen gegen Abirateron und Enzalutamid entwickelt.

Dr. Silvia Thöne, Ko-Erstautorin der Studie, betont die hohe Sensitivität des Verfahrens: "Für unseren Test ist bereits eine geringe Menge an RNA-Molekülen in der Probe ausreichend. Zudem ist die AR-V7-RNA in jeder Tumorzelle mit dem resistenten Rezeptor vorhanden, uns rutscht also keine Zelle durch."

Die Wissenschaftler untersuchten mit ihrem neuen Test 85 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs. Sie konnten dabei zeigen, dass jeder Fünfte große Mengen von AR-V7-RNA im Blut aufwies, ein Zeichen für resistente Tumorzellen. Genau diese Patienten sprachen nicht auf die beiden Medikamente an. Sie hatten zudem schlechtere Prognosen. Der Tumor kam früher zurück und sie starben früher als Patienten ohne AR-V7-RNA im Blut. (sts)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »

Weltärztebund und Papst im Dialog zur Palliativmedizin

Seltene Kooperation: Weltärztebund und Papst sprechen sich für ein Sterben in Würde aus, aber gegen Euthanasie und assistiertem Selbstmord. mehr »