Bei Pilzvergiftung Silibinin - allein oder kombiniert?

MÜNCHEN (hub). Bei Knollenblätterpilzvergiftung ist Silibinin der Therapiestandard. Aber was ist besser: eine Silibinin-Monotherapie oder die Kombination mit Penicillin? Eine Studie hat jetzt Vorteile für die Monotherapie ergeben.

Veröffentlicht:

Schon seit Jahrzehnten wird Silibin, eine Substanz aus der Mariendistel (Silybum marianum), für die Therapie bei Patienten mit Knollenblätterpilzvergiftung eingesetzt. In den 80er Jahren wurde der Pflanzenwirkstoff auch verstärkt kombiniert mit Penicillin verwendet. Eindeutige Aussagen, welches Therapieregime günstiger ist, lagen bisher nicht vor.

Etwas Licht ins Dunkel bringt eine Studie von Toxikologen der TU München: Sie haben die Daten von 367 Patienten ausgewertet, die zwischen 1957 und 2005 in 92 Kliniken wegen einer Knollenblätterpilzvergiftung behandelt wurden. 118 davon erhielten eine Silibinin-Monotherapie, 249 kombiniert mit Penicillin (DMW 133, 2008, 2261).

Die Ergebnisse: Mit der Monotherapie lag die Rate von Patienten, die an der Amatoxin-Vergiftung starben oder eine Lebertransplantation benötigten, bei 5,1 Prozent. Mit der Kombi-Therapie lag diese Rate bei 8,8 Prozent. Der Nachweis der Überlegenheit der Monotherapie konnte aber nicht erbracht werden, die Unterschiede waren nicht signifikant. Hierzu sei eine Fallzahl von 630 pro Gruppe nötig, so die Autoren.

Unstrittig ist allerdings der Einsatz des Silibinins, das in Deutschland von Madaus als Legalon® SIL angeboten wird. Die Wirkung beruhe auf drei Prinzipien: Es blockiert einen Transporter, wodurch die Amatoxin-Aufnahme in die Zelle verhindert wird. Es stabilisiert die Hepatozytenmembran, fängt freie Radikale ab und stärkt die physiologischen anti-oxidativen Schutzmechanismen. Und Silibinin stimuliert Enzyme, die zur Zellregeneration beitragen. Penicillin hingegen könne - wenn es vor Silibinin gegeben wird - die Aufnahme des Silibinins in die Hepatozyten hemmen und damit auch die positiven intrazellulären Effekte.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hepatisches Risiko erhöht

Schlank und MASLD – das macht der Leber schwer zu schaffen

Lebensverlängernde Wirkung

ctDNA konnte in Studie Nutzen von COX-2-Hemmer bei Darmkrebs vorhersagen

Stark verarbeitete Lebensmittel

Gesundheitsschädliche Nahrung – eine globale Krise?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Arzt erläutert seinem Patienten mit Fettlebererkrankung anhand eines Anatomiemodell der Leber die prognostischen Risiken.

© manassanant / stock.adobe.com

Hepatisches Risiko erhöht

Schlank und MASLD – das macht der Leber schwer zu schaffen

Eine Hand lehnt demonstrativ eine Spritze ab.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

1,1 Millionen Erwachsene befragt

COVID-19: Impfskepsis häufig doch überwindbar

Spritze zum Impfen mit Schriftzug

© Fiedels / stock.adobe.com

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!