Direkt zum Inhaltsbereich

CED

Forschung ausgezeichnet

Gastroenterologen wurden mit dem Thannhauser-Preis und dem Ludwig-Demling- Forschungspreis geehrt.

Veröffentlicht:

LEIPZIG. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Leipzig wurden zwei von der Falk Foundation e. V. gestiftete Wissenschafts-Preise verliehen.

Den mit 10.000 Euro dotierten Thannhauser-Preis der DGVS teilen sich Professor Sebastian Zeißig, Universitätsklinikum Dresden, und PD Dr. Torsten Olszak, Klinikum der Universität München.

Die Wissenschaftler wurden für ihre Forschungsarbeiten zu neuen Mechanismen der Immunregulation in Zellen der Darmschleimhaut ausgezeichnet, teilt die Falk Foundation e. V. mit.

Sie erhielten den Thannhauser-Preis 2015 konkret für ihre gemeinsame Arbeit "Protective mucosal immunity mediated by epithelial CD1d and IL-10". Die Kenntnisse tragen zum tieferen Verständnis der molekularen Mechanismen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) bei (Nature 2014, 509: 497-502).

Immunregulation zwischen Mikrobiom und WirtsorganismusDie Wissenschaftler beschäftigten sich im Mausmodell mit den intestinalen Epithelzellen (IEC), welche die Immunregulation zwischen dem Mikrobiom und dem Wirtsorganismus steuern.

Sie konnten zeigen, dass den IEC eine protektive Rolle zukommt, wobei entgegen der ursprünglichen Arbeitshypothese die Präsentation von Lipid-Antigenen (CD1d) auf der Zelloberfläche gegenüber natürlichen T-Killerzellen (NKT-Zellen) eine zentrale Rolle spielt.

Welche Konsequenz die Präsentation von Lipid-Antigen hat, hängt laut Zeißig den aktuellen Daten zufolge vom jeweiligen Zelltyp ab: "Während Zellen des Knochenmarks über die Präsentation von Lipiden aktiv zur Entzündungsreaktion im Darm beitragen, geht die Präsentation von Lipid-Antigenen in Darm-Epithelzellen jedoch mit protektiven Effekten einher", wird der Wissenschaftler in der Mitteilung zitiert.

Eine verminderte Präsentation der Antigene, wie sie bei CED zu beobachten ist, kann somit wahrscheinlich den protektiven Effekt mindern und die Entzündungsreaktion fördern.Auf Basis dieser Erkenntnisse haben die Forscher die molekularen Hintergründe genauer analysiert und nachweisen können, dass Interleukin 10 (IL-10) an der Regulation beteiligt ist.

Das Zytokin wird auch von IEC freigesetzt und kann die Expression der Lipid-Antigene supprimieren und so wahrscheinlich zur Manifestation einer intestinalen Inflammation beitragen.

Immunsupprimierte Kinder mit CED sicher impfen

Der mit 25.000 Euro dotierte Ludwig-Demling-Forschungspreis der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e. V. (DCCV) ging an Dr. Carsten Posovszky, Universitätsklinikum Ulm. Im Mittelpunkt seiner Forschungsarbeit steht die Frage, inwieweit Impfungen bei immunsupprimierten Kindern - und insbesondere bei Kindern mit CED - sicher möglich sind.

Der Wissenschaftler initiierte eine multizentrische Studie zur Erfassung des Impfstatus bei Kindern mit CED und prüft in dieser Studie insbesondere die Impfantwort auf eine Lebendimpfung mit einem Varizella-Vakzin unter immunsuppressiver Therapie.

Es handelt sich hierbei um eine relevante Fragestellung, da Kinder unter Immunsuppression einem hohen Infektionsrisiko durch Ungeimpfte ausgesetzt und so besonders gefährdet sind, eine schwere Infektion zu entwickeln.

Dennoch wird eine Impfung mit Lebendviren wie die Varizellenimpfung derzeit unter immunsuppressiver Therapie nicht empfohlen, da keine belastbaren Daten zur Sicherheit vorliegen und eine Erkrankung durch Impfviren möglich erscheint.

Ein Absetzen der immunsuppressiven Therapie über mehrere Monate zur Durchführung einer Lebendimpfung ist aufgrund der Krankheitsaktivität und wegen des Rezidivrisikos jedoch oft nicht möglich oder wird von den Patienten nicht gewünscht.  Die Kinder bleiben daher oft jahrelang ungeimpft.

"Den gordischen Knoten lösen"

Diesen "gordischen Knoten" zu lösen, hat sich Posovszky mit seinem Forschungsprojekt VARICED zum Ziel gesetzt. Das Projekt soll Daten zum Impfstatus bei Kindern mit CED in Deutschland generieren, die allgemeine Impfprävention von Kindern mit CED verbessern, die qualitative Immunfunktion unter immunsuppressiver Therapie erfassen und Kinder mit erhöhtem Infektionsrisiko identifizieren. Es liefert zudem Daten zur Sicherheit und Effektivität der Varizellen-Impfung.

Darüber hinaus sollen microRNAs als prädiktive Biomarker für eine adäquate Immunantwort identifiziert werden. Hierdurch könnten CED-Patienten erkannt werden, die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vorsicht Honorarverlust

DMP: Warum Praxen den Datentransfer prüfen sollten

Kein Herpes, kein Krebs

Was steckte hinter den schlecht heilenden Ulzera im Mund?

Lesetipps
Sonja Optendrenk steht an einem Geländer, im Hintergrund ist die Spree zu sehen.

© Rolf Schulten

An der Spitze des Gemeinsamen Bundesausschusses

G-BA-Vorsitzende Sonja Optendrenk sieht sich als Streiterin der Selbstverwaltung

Ältere Frau bei einer Psychiotherapie

© Herbie / Fotolia

Multimodale Therapie

Dystonien: Welche alternativen Therapieansätze gibt es?

Smartphones mit Gemini und Chat-GBT

© Lorenzo Di Cola | NurPhoto / picture alliance

Künstliche Intelligenz

Warum die KI eine Hausärztin fälschlicherweise für tot erklärte